Infografik-SuperGAU bei der ARD (Update 6)

(Siehe auch die Updates am Ende des Artikels.)

In der Sendung “Menschen bei Maischberger” vom 15.03.2011 wurden nie in Betrieb genommene oder ausgeschaltete AKWs zum Leben erweckt. Frau Maischberger zitiert zuerst den Atomkraftbefürworter Erwin Huber mit den Worten:

Was sollen wir in Deutschland die Kernkraftwerke abschalten, wenn um uns herum trotzdem so viele bestehen bleiben.

Und fügt dann hinzu:

Dafür haben wir eine Karte vorbereitet, das zeigt einmal tatsächlich die Dichte der Atomkraftwerke in Europa.

Das in der Karte eingezeichnete Atomkraftwerk Zwentendorf wurde 1972 zwar gebaut, ist aber nach einer Volksabstimmung nie in Betrieb genommen worden. Es dient heute zu Übungszwecken und Ersatzteillieferant für baugleiche AKWs.

Auch die 4 AKWs in Italien sind bereits seit über 20 Jahren außer Betrieb. Findet jemand weitere Fehler?

Außer Kontrolle geraten scheint in dieser Sendung aber nicht nur die Grafik zu sein, auch Frau Maischberger dürfte am Beginn der Sendung wohl irgendwas gröber irritiert haben:

(Dank an Hans Kirchmeyr für den Hinweis)

Update 1: Wolgang Rinner schreibt: “Dafür fehlt in der Grafik das AKW in Slowenien in Krsko, das eigentlich recht interessant wäre, weil es in einem erdbebengefährdetem Gebiet liegt.”

Update 2: Mochovce (Slowakei) fehlt ebenso.

Update 3: ..sowie Bohunice (Slowakei), wie CarFreiTag twittert.

Update 4: Die Schweiz und ihre vier AKWs fehlen zur Gänze, wie Fabian bemerkt.

Update 5: Und in der Ukraine sind nur 3 eingezeichnet, aber eigentlich noch 4 in Betrieb, wie Christian Wien bemerkt.

Update 6: Inzwischen wurden von den aufmerksamen Kobuk-Lesern noch zahlreiche Fehler in der Grafik entdeckt. Danke für die vielen Hinweise!

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36 Comments

  1. Posted 21. März 2011 at 20:50 | Permalink

    Die Schweiz hält man wohl in jeder Beziehung für neutral, hat aber in Wirklichkeit gleich mehrere AKWs: http://www.kernenergie.ch/de/atomkraftwerke.html

  2. Posted 21. März 2011 at 20:54 | Permalink

    Nicht nur Mohovce, auch Bohunice scheint zu fehlen (Slowakei); die Schweiz fehlt ebenso. Top Grafik….

  3. Posted 21. März 2011 at 21:05 | Permalink

    Immerhin, in Österreich gibt es wenigstens eine Volksabstimmung. Bei uns werden die AKWs ja ein- und ausgeschaltet, wie die Regierung grad will. Vive la démocratie!

  4. Art Vandelay
    Posted 21. März 2011 at 21:07 | Permalink

    Ich habe aber einen anderen Verdacht: Hier wurden nicht nur eine AKWs vergessen, sondern auch Forschungsreaktoren mitberücksichtigt. So würden sich die Markierung eines AKWs in Wien und die Eintragungen in Italien erklären lassen. Dort gibt es nämlich meines Wissens Forschungsreaktoren in Rom und Pavia, was mit der Darstellung hier ungefähr überein stimmen würde.

  5. zwirbeltier
    Posted 21. März 2011 at 21:14 | Permalink

    Ja, das in Wien könnte tatsächlich der Forschungsreaktor in der Stadionallee sein.

  6. Posted 21. März 2011 at 21:36 | Permalink

    @ Art Vandelay, @ zwirbeltier: Zumindest was die Markierungen in Italien anbelangt stimmen diese genau mit den 4 stillgelegten AKWs Caorso, Trino, Carigliano und Latina überein http://de.wikipedia.org/wiki/Kernenergie_nach_Ländern#Italien

  7. Posted 21. März 2011 at 21:43 | Permalink

    Ich dachte Zwentendorf ist jetzt ein Solarkraftwerk…

  8. Christian Wien
    Posted 21. März 2011 at 21:43 | Permalink

    In der Ukraine sind nur 3 AKW eingezeichnet. In Wahrheit sind es (neben dem abgeschalteten Tschernobyl) noch 4 weitere: Chmelnyzkyj, Riwne, Saporischschja, Süd-Ukraine (Mykolajiw). Dafür gibt es die zwei in Weißrussland eingezeichneten Kraftwerke nicht. Vermutlich ist das Overlay über der Grafik um ein paar Hundert Kilometer verrutscht…

  9. Posted 21. März 2011 at 22:06 | Permalink

    Nebenbemerkung: Auch Tschernobyl ist auf der Karte nicht eingezeichnet. Dort wurde 2000 der letzte Block abgeschaltet.

  10. Posted 21. März 2011 at 22:29 | Permalink

    Toll fand ich auch den Hinweis auf guardian.co.uk, Österreich würde neben Deutschland und der Schweiz seine Expansionspläne in der Atomenergie einbremsen.

  11. Andreas List
    Posted 21. März 2011 at 22:59 | Permalink

    jetzt werdet ihr aber schon ein bissi kleinlich. Und da ich das jetzt auch bin muss ich bemerken, dass euer Update 5 ebenfalls nicht ganz korrekt ist. In Frankreich sind 24 AKW in Betrieb, die insgesamt über 59 Reaktoren verfügen. Das ist auch im Wikipedia-Artikel ersichtlich.

  12. Posted 21. März 2011 at 23:21 | Permalink

    @ Andreas List: Du hast recht mit den 24 AKWs in Frankreich, danke für den Tipp.

  13. Andreas List
    Posted 21. März 2011 at 23:46 | Permalink

    So jetzt hab ich nochmal nachgezählt, 20 in Betrieb, 4 stillgelegt.
    Hier eine aktuelle Übersicht von Leuten, die es wissen sollten – World Nuclear Association :)
    http://www.world-nuclear.org/info/inf40.html

  14. Antanas
    Posted 22. März 2011 at 00:50 | Permalink

    Es gibt auch kein AKW in Lettland. Es gab nur eines in Litauen bei Visaginas, welches schon zur Hälfte abgebaut ist.

  15. Raphael
    Posted 22. März 2011 at 07:48 | Permalink

    AKW Krško (Slowenien) fehlt auch!

  16. Posted 22. März 2011 at 09:15 | Permalink

    Sieht auch so aus, als ob der ‘Schnelle Brüter’ in Kalkar-Hönnepel eingezeichnet wäre – der hat nie auch nur einen Brennstag gesehen, und ist heute ein Freizeitpark.

  17. Rene
    Posted 22. März 2011 at 10:12 | Permalink

    An der holländischen Grenze scheint auch der “Schnelle Brüter” in Kalkar am Niederrhein eingezeichnet zu sein. Das ging nach zahlreichen Protesten auch nie ans Netz und ist inzwischen ein Vergnügungspark, das “Kernwasser Wunderland”.
    Es könnte aber auch eins auf der holländischen Seite sein. Ich weiß nicht, ob da eins steht.

  18. Lutz
    Posted 22. März 2011 at 10:12 | Permalink

    Von Forschungsreaktoren mal abgesehen, gibt es in den Niederlanden nur ein aktives AKW, und zwar im äußersten Westen in Borssele. In der Karte sind deutlich zu viele eingezeichnet und dieses scheint dafür zu fehlen. (Das bei Antwerpen verzeichnete AKW müsste das belgische AKW in Doel sein.)

    Darüber hinuas fehlt noch das AKW Chooz in Frankreich.

  19. Christopher
    Posted 22. März 2011 at 10:17 | Permalink

    Das französische Atomkraftwerk Cattenom, in unmittelbarer Nähe der deutschen Grenze, scheint irgendwie falsch zu liegen. Auf der Grafik ist ein AKW verzeichnet was grob in der richtigen Region liegt, ich würde dieses AKW-Symbol aber eher nach Deutschland, als nach Frankreich schieben. Evtl käme auch noch Luxemburg in Frage, aber Frankreich eher nicht. Ist ja aber auch schwer…

  20. Chuck
    Posted 22. März 2011 at 10:23 | Permalink

    Ich bin mir nicht sicher, inwieweit Spaniens Nuklearenergie korrekt/aktuell ist…

    Auf die Gefahr hin auf ungepfüfte Wikipediatiefen:
    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Nuclear_power_in_Spain

    Nach der Karte hier sind jedenfalls einige der auf der ARD-Karte abgebildeten AKWs nicht mehr in Betrieb oder nie in Betrieb gegangen:
    https://secure.wikimedia.org/wikipedia/en/wiki/Template:Spain_nuke_plant_map

  21. Andreas
    Posted 22. März 2011 at 10:33 | Permalink

    Beim südlichsten in Schweden dürfte es sich um das seit 2005 stillgelegte AKW Barsebäck handeln: http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Barseb%C3%A4ck .

    Auch bei dem zweiten südlicheren stimmt etwas nicht, aktuell im Betrieb sind eins an der Westküste (Ringhals) und zwei an der Ostküste (Oskarshamn und Forsmark)

  22. Torsten
    Posted 22. März 2011 at 10:47 | Permalink

    Die Markierung in Mecklenburg Vorpommern meint wohl das AKW Greifswald. Allerdings zeigt der blaue Punkt nicht Greifswald, sondern eher den Standort von Wismar, in dem aber kein AKW steht. Was aber auch egal ist, da das Kraftwerk in Greifswald 1995 stillgelegt wurde und seit dem zurück gebaut wird.

  23. Torsten
    Posted 22. März 2011 at 12:34 | Permalink

    Das KKW Grafenrheinfeld (bei Schweinfurt) in Unterfranken fehlt oder ist irgndwo bei den Süddeutschen KKWs total falsch (mit-)eingezeichnet.

  24. Bernd
    Posted 22. März 2011 at 13:03 | Permalink
  25. o aus h
    Posted 22. März 2011 at 13:05 | Permalink

    @Torsten: Nö, das dürfte Krümmel bei Geesthacht sein, und das ist ja offiziell nur für Wartungen o.ä. außer Betrieb

  26. Oliver Baumann
    Posted 22. März 2011 at 13:24 | Permalink

    In der Schweiz gibt es fünf AKW: Leibstadt, Gösgen, Mühlebaer sowie Beznau 1 und Beznau 2

  27. Oliver Baumann
    Posted 22. März 2011 at 13:28 | Permalink

    Das Teil heisst natürlich Mühleberg und nicht Mühlebaer

  28. Irsch
    Posted 22. März 2011 at 13:28 | Permalink

    Was Frau Maischberger zu Beginn der Sendung so irritierte, war – wenn ich mich recht erinnere – dass der Starttrailer der Sendung nicht gelaufen war und sie ganz unvermittelt on air war.

  29. Posted 22. März 2011 at 14:37 | Permalink

    Noch zwei weitere Fehler:

    - Belarus/Weißrussland hat momentan keine AKW’s (also auch nicht die eingezeichneten 2) plant aber welche.
    - Lettland hatte nie ein Kraftwerk, dafür aber Litauen (Kernkraftwerks Ignalin) – dieses AKW wurde aber bereits vor ein paar Jahren abgeschaltet

  30. Icke
    Posted 22. März 2011 at 16:03 | Permalink

    Oh nein, so ein Superduper-GAU! Für mich ist das eher ein AU, ein Anzunehmender Unfall, denn wie könnte man etwas anderes annehmen als dass bei einer so umfangreichen Infografik (enthält mehr als drei Elemente) nicht entliche Fehler auftreten?
    Aber ists wirklich so schlimm? Zeigt die Grafik halt die ungefähre Dichte der AKWs. Was in der Schweiz fehlt, ist in Italien zu viel, usw., und man hätte sonst eh nicht mehr viel erkannt. Ohne Pause-Knopf hätte sich die Positionen eh keiner merken können. Also nicht übertreiben…

  31. Dresdner
    Posted 22. März 2011 at 18:49 | Permalink

    Wenn Forschungsreaktoren mitzählen, dann müsste Dresden gleich zweimal eingezeichnet sein (TU und FZ Rossendorf).

  32. Pepe
    Posted 22. März 2011 at 23:28 | Permalink

    Eine fehlerhafte Grafik ist schlecht und sollte berichtigt werden (selbst wenn am Ende sogar mehr AKW (*klugscheisser ON* das s ist bei vielen hier auch fehl am Platz ;) *klugscheisser OFF*). Viel schlimmer finde ich die Argumentation bzw Vergleiche der Länder ansich. Die haben aber…… und deshalb müssen wir…….. Das ist doch einfach nur schwachsinnig. Wobei…..
    Norwegen bezieht 99% seines Stroms durch Wasserkraftwerke. Damit sollte man sich vielleicht mal vergleichen. Klar gibt es auch bei dieser Energiegewinnung Nachteile aber Rückgänge im Fischbestand sind dann vielleicht doch nicht so gravierend wie ein Unfall in einem AKW.
    WIR als Bevölkerung sollten uns überlegen was wir wirklich wollen und uns dafür einsetzen. Und wenn man ersteinmal ein umdenken im eigenen Land erreicht dann ist die Chance dass die Bevölkerung in anderen Ländern mitzieht auch eher gegeben.

    Gruss
    Pepe

  33. René
    Posted 23. März 2011 at 00:46 | Permalink

    krsko (slowenien) fehlt.

    tschechien und die slowakei haben mwn insgesamt an 4 standorten akws, zu sehen sind hier aber nur 3 standorte, von denen nur temelin eindeutig identifizierbar ist. dukovany, mochovce und bohunice wären die anderen 3 akws, eines davon fehlt aber.

  34. Hasso
    Posted 24. März 2011 at 12:58 | Permalink

    @Pepe
    *klugscheisser ON* das s ist bei vielen hier auch fehl am Platz ;) *klugscheisser OFF*
    AKWs ist schon korrekt:
    Der s-Plural

    Pluralformen auf -s sind historisch eigentlich untypisch und für die deutsche Sprache erst relativ spät belegt; sie existieren jedoch auch in anderen westgermanischen Sprachen, wie im Niederländischen und vor allem im Englischen.

    Heute gehört die s-Endung zum Standard der deutschen Pluralbildung. Sie wird immer verwendet, wenn keine andere Möglichkeit vorhanden ist (unter anderem, wenn man das Wort nicht durch Analogie zu anderen Pluralformen einordnen kann), zum Beispiel bei Akronymen und vielen Fremdwörtern, vor allem solchen englischer oder französischer Herkunft:

    * die CD – die CDs
    * die GmbH – die GmbHs
    * der Akku – die Akkus
    * der Cousin – die Cousins
    * der Job – die Jobs
    * das Handy – die Handys

    Der s-Plural wird zudem für die Kennzeichnung von Gruppen gleichen Familiennamens verwendet; man vergleiche:

    * die Müllers (mehrere Mitglieder der Familie Müller)
    Aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Plural#Der_s-Plural

  35. Abramowitsch
    Posted 24. März 2011 at 18:40 | Permalink

    Was ist mit dem ehemaligen Atomkernkraftwerk Lucens im Waadtland in der fr. Schweiz? Ist zwar zurückgebaut, war in eine Höhle hineingebaut und ist m.W. beim Probelauf kapottjejange. Dir Westschweiz strahlt heute noch meßbar, die Havarie war 1968.
    Greetz der Iwahn

  36. christian györgyfalv
    Posted 3. April 2011 at 14:11 | Permalink

    @Fabian: dass man die schweizer kraftwerke auf der infografik nicht erkennt, kann daran liegen, dass sie so knapp an der deutschen grenze gebaut wurden – zumindest 2 der 4. aber grenzkraftwerke sind ja weltweit die regel – wer baut sich eine guillotine gerne im wohnzimmer auf. vor jahren konnte ich bei einem besuch im atom-freien dänemark an der schwedischen küste die meiler mit freiem auge sehen.
    übrigens sah ich vor kurzem in der schweizer ZIB einen kritischen bericht über die 2 schrott-reaktoren der deutschen und franzosen an deren grenze zur schweiz. beides kraftwerke an denen ein schweizer akw-betreiber beteiligt ist und niemanden finden konnten, der ihnen diese anteile abkauft.
    dies alles zeigt wohl deutlich wie skurill die welt der AKW-wirtschaftler ist. aber irgendwie muß man ja den teuren atom-strom verkaufen.

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