Immer wieder falsche Bilder in der “Krone”

Was in seriösen Redaktionen spätestens bei Wiederholung ein Kündigungsgrund wäre, hat bei der Kronen Zeitung offenbar Methode: Das Hundefoto war nicht aus der Ukraine, sondern aus Bosnien und acht Jahre älter als behauptet. Das Foto von Königin Beatrix war nicht aus Innsbruck, sondern aus London und zehn Jahre älter als von der “Krone” behauptet.

Und der Panzerwagen auf dem folgenden Bild…

"Polizeieinsatz bei Hausbesetzung in der Lindengasse"



… der steht in Wahrheit nicht in der Lindengasse, bei einer Hausräumung im November 2011, sondern in der Mariahilfer Straße, wegen eines Banküberfalls mit Geiselnahme im Februar 2007:

BAWAG-Überfall mit Geiselnahme, 27. 2. 2007


Aber hey, das ist dieselbe Stadt, im selben Jahrfünft. Und dem Nummernschild nach sogar derselbe Panzerwagen wie dreieinhalb Jahre später in der Lindengasse. Was macht man denn als Journalist, wenn das Foto von der Geiselnahme besser zur Hausbesetzung passt als das von der Hausbesetzung?

… besser keine Zeitung.

(Mit Dank an Oliver Cleven für den Hinweis und Scan!)



PS: Das war übrigens jene Geiselnahme, bei der schon ein anderes Boulevardblatt in die Annalen der österreichischen Zeitungsgeschichte eingegangen ist (oder in etwas, das ähnlich klingt). Seit dieser “Sternstunde” darf “Österreich” — vom OGH bestätigt — Hyänenjournalismus nachgesagt werden:

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4 Comments

  1. Martin
    Posted 29. Februar 2012 at 09:02 | Permalink

    Wenn die Bawag-Warteschleife auch “In allen Geldfragen in ganz Oesterreich” lautet (~0:43) …
    Klar kommt “Oesterreich” dann auf die idee Profit aus der Sache zu schlagen.

  2. Martin
    Posted 29. Februar 2012 at 09:03 | Permalink

    PS: Warum der Panzerwagen in der Mariahilferstrasse parkt fuer einen Einsatz in der Lindengasse hat sich der “Journalist” wohl auch nicht gefragt.

  3. Natascha
    Posted 3. Mai 2012 at 22:41 | Permalink

    Eigentlich dachte ich, die Machenschaften – von Journalismus kann hier ja nicht die Rede sein – von “Krone” und “Österreich” können nicht mehr absurder werden. Die Fälschung von Bildern ist unprofessionell, aber in Hinblick auf andere Fehltritte zu verkraften.

    Was mich wirklich schockiert, ist das Video/Gespräch des “Österreich”-Mitarbeiters (wieder: wir reden lieber nicht von einem “Journalisten”)! Wie kommt man denn auf die Idee, während einer Geiselnahme einfach anzurufen (“Und Sie sind Geisel?” “Ja.”) und zu fragen, ob man den TÄTER sprechen kann (“Und wie geht’s Ihnen so?”) !?
    Was hat sich der Mitarbeiter dabei gedacht?

    Unterhaltsam war’s im Nachhinein schon (“Märchenprinz”, “Na, weil’s zua is!”, “Wüst a Geisl sprechn?” “Was heißt “sicha”? Wie redstn mit mir?”), aber trotzdem weiß ich nicht, ob ich lieber lachen oder weinen sollte..

  4. Lea N.
    Posted 13. Mai 2012 at 17:15 | Permalink

    Die Kronenzeitung scheint immer wieder neue Stufen der „Dreistigkeit“ erklimmen zu wollen. Zugegebener Maßen habe ich auch als Nicht-Leser der Kronen-Zeitung einige Vorurteile gegenüber diesem Boulevardblatt, doch scheinen sie sich doch immer wieder zu bestätigen. Natürlich bin ich mir der Tatsache bewusst, dass es sich hier nur um „Ausnahmefälle“ handelt, doch sollten diese im Bereich des Journalismus eigentlich gänzlich ausfallen.

    Das Gravierende an diesem Foto finde ich nicht, dass es reine Fehlinformationen birgt, sondern, dass die Kronenzeitung BEWUSST versucht ihre Leserschaft hinter das Licht zu führen. Es handelt sich hierbei nicht nur um mangelnde Recherche, oder einen Druckfehler, sondern um das gezielte Veröffentlichen falscher Informationen. Journalisten, als Produzenten der Wirklichkeit? Doch wie soll unsere Wirklichkeit dann in Zukunft aussehen, wenn wir uns bei allem fragen müssen, ob wir nicht für „dumm“ verkauft werden.

    Geht man auf die Meta-Ebene muss man sich eigentlich fragen: Was/ Wer erweckt in Journalisten den Druck eine solche Fälschung veröffentlichen zu müssen?
    Die Krone Zeitung ist die auflagenstärkste Zeitung Österreichs und will diese natürlich auch bleiben. Ihre Berichterstattung orientiert sich folglich an den Interessen der „breiten Masse“. Weiter könnte man folgern, dass unsere heutige Gesellschaft so Katastrophen und Drama-orientiert ist, dass „man“ eben mal schnell eine sonst nicht so reißerische Hausbesetzung mit einem Panzer „aufzupeppen“ versucht. Liegt die eigentliche „Schuld“ also bei unserer heutigen Sensations-Gesellschaft?

    Doch das als Entschuldigung zu nehmen, wäre wahrlich blauäugig, auch wenn es zum Teil zutreffend ist. Schließlich können sich auch Zeitungen, wie die Süddeutsche Zeitung, der Spiegel etc. seit Jahrzehnten mit einer unverfälschten Berichterstattung – natürlich existieren Ausnahmen- am Markt behaupten. Es passieren auch so genügend Katastrophen um „den Heißhunger“ der Massen zu stillen.
    Wenn allerdings die Kronen-Zeitung die Zukunft des Journalismus darstellen soll, kommt unwillkürlich die Frage auf, ob das „Titanic-Szenario“, dann nicht doch die bessere Alternative wäre.

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