Category Archives: International

Sammelkobuk (2): Angelika Merkel, meterlange Wunden

Gut zwei Wochen sind seit dem letzten Sammelkobuk vergangen und wieder haben sich einige kuriose Kleinigkeiten in der Kobuk-Redaktion angesammelt:

Danke an Hans Kirchmeyr und Michael Breitner für die Hinweise!

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Obamas fantastische $200 Mio. Reisekosten pro Tag

Screenshot www.glennbeck.com

Anlässlich der Indienreise Barack Obamas sorgte in US-Medien eine Zahl für Furore: 200 Mio. Dollar täglich sollte der Staatsbesuch kosten, die konservativen Moderatoren Glenn Beck und Rush Limbaugh gaben sich entrüstet, CNN berichtete und vor allem FOX widmete sich der Thematik ausführlich:

http://www.youtube.com/watch?v=7o0jUknE3SM

Um diesen Betrag in Relation zu setzen: Der Afghanistan Krieg kostet die Vereinigten Staaten täglich ca. 190 Millionen Dollar. Eine vergleichbare Afrikareise Bill Clintons im Jahr 1998 schlug ohne den als geheim eingestuften Ausgaben für die Sicherheit mit 42,8 Millionen zu Buche, allerdings für die gesamten 12 Tage. Das entspricht 3,6 Millionen pro Tag, wie die New York Times vorrechnet.

Tatsächlich hatten diese lächerlich hoch wirkenden Zahlen nicht lange Bestand. Als Quelle stellte sich eine NDTV-Meldung (New Delhi Television) heraus, die sich wiederum auf eine anonyme Quelle berief. Spätestens nach der Stellungnahme durch Vertreter des Weißen Hauses war die Falschmeldung als solche enttarnt. Das hielt einige deutschsprachige Regionalmedien aber trotzdem nicht davon ab, sie Tage später zu veröffentlichen.

Vielleicht ist das alles aber auch nur ein rein kulturelles Missverständnis.

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Berge von Maulwurfshügeln: Medienangst visualisiert

mountians out of molehills

Der Informationsdesigner David McCandless ist bekannt für seine wunderbaren Datenvisualisierungen, die mit oft subversiver Kraft helfen, die Welt zu verstehen und versteckte Zusammenhänge zu sehen.

Diese Timeline von 2000 bis 2009 zeigt die Anzahl der News-Artikel zu den Horrorgeschichten der Mediengeschichte: Schweinegrippe (pink), Vogelgrippe (gelb), Rinderwahnsinn (violett), SARS (orange), Millenium Bug (grau, ganz links), Killerspiele (rot), Killerwespen, Handys & Krebs, Asteroidkolisionen (grün-gelb) und ein paar mehr.

McCandless weist auch auf interessante Muster hin, die in der Visualisierung erkennbar sind: So häufen sich die Berichte über Killerspiele regelmäßig zu Weihnachten (Haupteinkaufszeit) und im April, zum Jahrestag des Columbine-Massakers. Auch interessant: Ab 9/11 war, von Asteroidenkollisionen abgesehen, einige Monate Pause

Hier die große Version. Rechte: (cc) David McCandless. Danke an Martin Schobert für den Tipp!

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Solarstrom: So kauft die Öl-Lobby die öffentliche Meinung

Solarstrom lässt die Strompreise steigen, produziert aber nur wenig Strom und hat keine Klimaschutzwirkung.

So berichteten diesen Herbst unisono alle deutschen Medien, von Welt bis zum Focus-Magazin. Der Spiegel hievte das Thema – “Öko um jeden Preis” – sogar aufs Cover.

Wie diese Medien den Lobbyisten der Ölindustrie aufsaßen, deckte das ARD-Magazin Monitor auf.

Prädikat sehenswert:

(Via Volker P. auf Facebook)

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Wölfe und Falschmeldungen: Virales Marketing wirkt

Ein russischer Polizist flüchtet auf einer Autobahn vor einem Rudel Wölfe, das ganze auch noch auf Überwachungsvideo festgehalten. Ein gefundenes Fressen für die Medien – die ungezähmte Natur schlägt dem Leser entgegen:

Plötzlich wird er von einem Wolfsrudel gejagt (Oe24.at)

Die Raubtiere haben es zum Glück nicht auf ihn abgesehen, sie rennen unbeeindruckt vorbei. (Heute.at)

Bei einer Verkehrskontrolle in Russland kam plötzlich ein ganzes Wolfsrudel angelaufen (Krone.tv)

Doch das Ganze ist nichts anderes als eine virale Marketing-Kampagne einer Vodka Marke, die diese bereits offen zugibt (siehe Making Of).

Hier das Video:

Blick.ch ist ebenfalls darauf reingefallen. Bild.de scheint den Schwindel nach Veröffentlichung bemerkt zu haben, deutliche Spuren hat der bereits entfernte Beitrag dort durch den Facebook-Like-Button hinterlassen.

(Via BILDblog)

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Faszination der Zentimeter, wer bietet weniger?

Das Kreuzfahrtschiff “Allure of the Seas” musste unter einer dänischen Brücke durch und es war knapp, darin sind sich alle einig. Nicht ganz so einig ist man sich allerdings darüber wie knapp. Den Start machte am 30.10.2010 der Internetauftritt des Schweizer Fernsehens:

Die Brücke ist nur gerade 30 Zentimeter höher als die «Allure of the seas» (deutsch: Faszination der Ozeane). Eine äusserst ruhige See war deswegen notwendig, um unter der Brücke hindurch zu fahren.

T-online.de ließ sich wenig später ebenfalls nicht lange bitten:

Erst der so genannte “Squat-Effekt” macht’s möglich. Dieser saugt das Schiff tiefer ins Wasser, je schneller es fährt. Mit Höchstgeschwindigkeit – rund 24 Knoten – muss der Luxusliner diese technische Meisterleistung auf sich nehmen. Zwischen Schornsteinspitze und der Unterkante der Brücke bleiben dann nicht viel mehr als rund anderthalb Meter.

Am Tag darauf würdigte auch heute.at die Leistung des Kapitäns:

Mit nur VIER Zentimeter Platz nach oben brachte der Seebär den Luxusliner unter einer dänischen Brücke hindurch.
[...]
Aufgrund der rauen See beträgt der Abstand zwischen den Schloten und der Unterseite der Brücke nur vier Zentimeter, sagt Hans Nilsen, Offizier einer örtlichen Marine-Einrichtung.

Von 30 Zentimeter bei ruhiger See über rund anderthalb Meter bei Höchstgeschwindigkeit und vier Zentimeter bei rauer See, es kommt wohl auf den Standpunkt an, oder etwa doch auf die zu Grunde liegende Agenturmeldung oder gar die falsche Übersetzung eben dieser? Diese Vermutung kommt auf, wenn man sich die Berichterstattung im englischsprachigen Raum ansieht, welche sich vor allem auf eine Associated Press – Meldung stützt, so zum Beispiel auch die Washington Post:

Hans Nilsen, an official at the Korsoer Naval Station, said the passage went fine, with about a 20-inch (50-centimeter) gap and 1.5 inches (4 centimeters) to spare to the safety margin [...]

Für Interessierte: Der Kapitän oder “Seebär”, wie ihn heute.at nennt, erklärt die technischen Details und den Ablauf der Aktion im Zuge eines Videos auf der Website des Schiffes, ganz ohne sich dabei in Zentimeter zu verstricken.

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Das Märchen vom indischen Milliardenhaus

Das angesehene Wirtschaftsmagazin Forbes bezifferte die Baukosten auf knapp zwei Milliarden Dollar und nannte es “The World’s First Billion-Dollar Home“. Seither geht die Geschichte um die Welt: Vom indischen Milliardär Mukesh Ambani, der sich in Mumbai ein Luxus-Wohnhaus bauen lässt. 27 Stockwerke auf 173 Metern, für Baukosten zwischen ein und zwei Mrd. Dollar — je nach redaktioneller Zweiteinschätzung der Forbes-Schätzung.

Und einige haben gleich zwei Tipps abgegeben, sicher ist sicher:

“Nach Schätzungen soll das Domizil rund zwei Milliarden Dollar gekostet haben.” (ORF)

“Kostenpunkt: 800 Millionen Euro.” (“Österreich”, 15.10.2010)

“Zwei Milliarden Euro Baukosten” (“Österreich”, Printausgabe 27.10.2010)

“Die Kosten für den Bau werden auf 1,5 bis zwei Milliarden Dollar geschätzt.” (Kurier)

“750 Millionen Euro will er sich das Bauwerk kosten lassen.” (SZ)

“Das rund 750 Millionen Dollar [sic!] teure Gebäude” (Der Spiegel, 23.11.2007)

“Knapp zwei Milliarden Dollar lässt sich Ambani den Bau kosten.” (Der Spiegel, 19.5.2008)

“Der [sic!] Wert seines Hauses, das Ambani diesen Monat beziehen will, schätz [sic!] die britische Tageszeitung “Telegraph” auf umgerechnet 717 Mio. Euro.”(Financial Times Deutschland, Bild 6)

“Das Haus wird weltweit das erste Wohnhaus sein, das eine Milliarde Dollar gekostet hat” (Wikipedia)

Nur die engl. Wikipedia fällt aus der Reihe:

“According to Reliance Industries [d. Konzern des Milliardärs], Antilia cost between US$50–70 million to build.” (Wikipedia)

Vermutlich haben wir alle gerade das selbe Problem: die Summen sind schlicht zu groß, um eine klare Vorstellung zu haben, was damit möglich ist, und was nicht. Darum erst eine kleine Leserkalibrierung…

Das im Bild rechts ist der Burdsch Chalifa in Dubai. Mit 828 Metern und 162 Stockwerken das derzeit höchste Gebäude der Welt. Baukosten: ca. 1,5 Milliarden US-Dollar. (Da hat sich der reichste Mann Asiens bei seinem Häuschen aber ganz schön über den Tisch ziehen lassen.)

Zurück zu Forbes. Die beriefen sich bei den zwei Milliarden ursprünglich auf den Marketingchef einer am Bau beteiligten US-Firma, mussten aber kurz darauf einräumen, dass dieser seine Aussage “zurückgezogen” habe. Einen Monat darauf zitierte die New York Times einen Sprecher Ambanis. Dieser beschwichtigte, die Baukosten lägen in Wahrheit bei ca. 50 bis 70 Millionen Dollar.

Auch wenn es sich dabei eher nicht um den schlüsselfertigen Vollausbau handelt, bleibt dennoch eine gewaltige Differenz zu den kolportierten Summen. Das sieht man auch beim Wall Street Journal so und versucht dort — vorerst nur im Blog und noch ohne Beleg — gleich mit mehreren Legenden aufzuräumen:

“Die Einweihungsfeier findet nicht vor dem 28. Nov. statt, das Haus wird keine 600 Bediensteten haben [...] und das Gebäude ist keine Milliarden wert (würde man es jedoch in einzelne Appartements aufteilen und jeden Quadratmeter zum gängigen Preis verkaufen [...], dann könnte der Gesamtbetrag in diese Höhe gehen).”

Die klassische Verwechslung von Herstellungskosten und höchst theoretischem Verkaufswert also?

Ein findiger User im SkyscraperCity-Forum hat nachgerechnet und noch eine ganz andere Erklärung gefunden, warum der Forbes-Informant völlig korrekt die Summe von “zwei Milliarden” genannt haben könnte: 50 Millionen Dollar entsprachen damals exakt zwei Milliarden … indischen Rupien.

Foto: (cc) Joi Ito

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Der Aufstand der taz-Auslandskorrespondenten

Die Auslandskorrespondenten der taz wehren sich gegen Kündigung und neue Verträge:

Die beiden Zutaten, sinkende Auflagen und damit Werbeeinnahmen bei den Tageszeitungen und die Möglichkeit, direkt und unvermittelt mit uns, der Öffentlichkeit, in Kontakt zu treten, legen die Vermutung nahe: Solche Aktionen werden wir nicht zum letzten Mal gesehen haben.

Außerdem wird es eh Zeit, dass sich auch in Europa Journalisten zusammentun und selbst Neues ausprobieren, ähnlich wie die Gründer von Politico in den USA.

(Via Gawhary.)

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Lügen mit Statistik und Steve Jobs

iPhone 4 - where form meets function. And duct tape. Foto: CC   http://www.flickr.com/photos/jronaldlee/4801102319/APA, dpa und nahezu alle gleich- und zugeschalteten Medien berichteten über die iPhone 4 Antennen-Pressekonferenz, Steve Jobs habe dort verlautet:

“Nach internen Daten des Apple Partners AT&T sei im Vergleich zum Vorgängermodell iPhone 3GS die Rate der Verbindungsabbrüche um ein Prozent gestiegen”

Auch wenn dieser Satz erschütternde 7.150 Google-Treffer bringt (jetzt 7.151), das hat Steve Jobs nicht gesagt. Er sagte: Im Vergleich zum Vorgängermodell 3GS gäbe es beim iPhone 4 weniger als einen zusätzlichen Verbindungsabbruch, pro hundert Gesprächen.

Das klingt recht ähnlich und auch beruhigend wenig. Verdächtig ist hier eigentlich nur die seltsam umständliche Form der Formulierung, die bei einem Rhetorik-Genie wie Steve Jobs stutzig machen sollte. Zu Recht…

Offizielle Zahlen liegen zwar nicht vor, aber Branchen-Insidern zufolge brach beim iPhone 3GS ca. ein Gespräch von hundert ab. Wenn da nun, wie Apple selbst einräumte, knapp eines hinzukommt, dann läge eine Verdoppelung(!) der Verbindungsabbrüche beim iPhone 4 vor — oder eine Steigerung um satte 100 (in Worten: einhundert) Prozent!

Einen Schaden von (vermutlich) plus 100 Prozent auf plus 1 Prozentpunkt kleinzureden, ohne zu lügen und so, dass es die Menschen und Medien tatsächlich schlucken, so ein PR-Genie würde sich wohl auch ein nicht näher genannter Ölkonzern derzeit sehnlichst wünschen.

(Foto: CC James Lee)

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RTL über RTL: Hartz-IV-TV

Großartige Medienkritik zweier Studenten, über die Fernsehkritik.tv berichtet:

Text: “Hartz IV TV – Gegen Niveaulosigkeit im Nachmittags-TV”. Live auf Sendung beim WM-Spiel Kamerun gegen die Niederlande.

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