Kategorien-Archiv: Lapsus

“Heute” brennt, Helium nicht.

Dieser Hinweis erreichte uns heute:

Sehr geehrte Damen & Herren!

Da die Boulevardzeitung “Heute” ihren Lesern falsches Wissen übermittelt, erstellte unsere Naturwissenschaftsprofessorin einen kleinen Arbeitsauftrag, in dem wir Fehler aufweisen mussten. Sie finden diesen Arbeitsauftrag im Anhang.

Es wäre ein Anliegen meinerseits, wenn Sie diesen Bericht veröffentlichen würden.

Mit freundlichen Grüßen,
Besnik Delija
Schüler der HTL Donaustadt, 2.Jahrgang, Fachbereich Elektrotechnik.

Aber gerne doch.

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Die ZIB2 und der unglaublich lustige Chinesenbus

Diese armen Chinesen. Erst bleiben sie auf ihrer Busreise nach Rom in einer Vorarlberger Sumpfwiese stecken und dann prügelt der ZIB2-Moderator aus ihrem Malheur auch noch jeden Witz heraus, der sich in 38 Sekunden unterbringen lässt:

Originalvideo abrufbar bis 26.11.2012

Zum Schluss möchten wir Ihnen nicht vorenthalten, dass 25 Chinesen die bereits aus der Antike stammende Erkenntnis widerlegt haben, wonach alle Wege nach Rom führen. Und zwar, indem Sie auf ihrer Reise nach Rom einen Weg gewählt haben, der auf diesem sumpfigen Feld in der Lauteracher Ried in Vorarlberg endet. Dort sind sie mit ihrem Reisebus stecken geblieben. Nicht, weil die Vorarlberger topographischen Angaben so schwer ins Chinesische zu übertragen sind, sondern weil das Navi sie ganz offenbar in die Irre geleitet hat. Die Fahrgäste blieben asiatisch gelassen, Probleme mit der Führung werden ja auch im eigenen Land lieber nicht gleich angesprochen.

Brüller, oder? Apropos irreführend:
Moderation und Bildschnitt erwecken den Eindruck, das Navi habe den Bus und seinen scheinbar nicht allzu hellen Fahrer geradewegs in eine Sumpfwiese geführt. Das ist falsch.

Die Route führte entlang einer normalen, befestigten Straße. Allerdings dürfte der Fahrer Hinweisschilder nicht beachtet haben und so war an einer niedrigen, holzüberdachten Brücke Schluss für den Bus. Er versuchte zu wenden und dabei fuhr er notgedrungen in die Wiese. Und von wegen “vom Navi in die Irre geleitet”: Was kann ein PKW-Navi dafür, wenn die Route sich für einen Reisebus als ungeeignet erweist?

Wir haben ja nichts gegen Auflockerung, aber das sind schon beachtliche journalistische Unschärfen für einen Beitrag, der sich immerhin 38 Sekunden Zeit nimmt, um in Zeitlupe zu zeigen wie ein Sack Reis umfällt.

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ORF.at kippt Big Ben nach “links”

Dramatische Bilder erreichen uns via ORF.at aus London:

Big Ben neigt sich nach links

[…] Der Uhrturm mit dem Big Big [sic!] sinkt ungleichmäßig in den Boden und hat bereits eine beträchtliche Schräglage in Richtung Nordwest erreicht. „Es ist eine Neigung von 46 Zentimetern oder 0,26 Grad auf dem höchsten Punkt“, sagt John Burland, Professor am Imperial College London, gegenüber der BBC. […]

“0,26 Grad”, ah ja. Kobuk hat keine Kosten und Mühen gescheut und in einer aufwendigen Simulation nachgestellt, wie diese Neigung ohne fotografische Verzerrung für Beobachter vor Ort aussehen würde:

Aber das war erst der halbe Spaß. Falls ihr demnächst nach London kommt, macht doch ein kleines Experiment mit Freunden: Begebt euch an eine ähnliche Betrachtungsposition wie im Bild und fragt sie ganz unschuldig, ob sie die Linkslage des Turms auch schon erkennen. Natürlich nicht so wild wie auf dem ORF-Foto, aber eben gerade so ein bisschen — wie auf unserer Skizze.

Falls ja, habt ihr einen wunderschönen Beleg für die menschliche Einbildungskraft. Denn der Turm neigt sich dort gar nicht nach “links”. Zwar hat der britische Baustatiker John Burland tatsächlich zur BBC gesagt:

Wenn Sie am Parliament Square stehen, können Sie sehen, dass er sich ganz leicht nach links neigt […]

Doch Parliament Square befindet sich aus unserer Blickrichtung hinter dem Turm. Big Ben neigt sich in Wahrheit also fast genau in die entgegengesetzte Richtung, die ORF.at suggeriert. Halten wir uns lieber an die Möwe im Vordergrund: Sie fliegt gerade ziemlich genau nach Nordwest — wie auch Big Ben, in vielleicht 10.000 Jahren.

(Danke @skaragerald für den Hinweis)

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Schmäh… nee… Schnee olé!

Sensation in “Österreich” am 24. Jänner: “Sieben Meter Schnee auf dem Hotel Mondschein in Stuben”.

Nicht nur Statiker staunen über diese Schneemenge. Ein bisserl Recherche – man beachte die angegebene Fotoquelle “Facebook” – hätte hier aber die Story ruiniert:

Auf seiner Facebook-Page sagt das Hotel Mondschein zu dem Foto:

Humor lässt grüßen!

Danke an Thomas Rottenberg für den Hinweis!

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Kein Durchbruch für das Leitmedium APA

Leitplanke ist echt ein undankbarer Job. Öffentlich nur wahrgenommen als tödliche Gefahr für Motorradfahrer, und wenn sie ihren Job mal perfekt erledigt, dann war’s nur Glück. Schließlich ist sie selber völlig ramponiert – hat also versagt…?

(Klick öffnet oe24-Galerie)

Sicher war auch Glück im Spiel, nach jener Reifenpanne, die heute einen LKW fast von einer Autobahnbrücke geschleudert hätte. Aber in erster Linie sollte der Fahrer den Ingenieuren danken, die jene erstaunlich elastische Sicherheitseinrichtung konstruiert haben, die laut APA vom LKW “durchbrochen” wurde. Denn genau das ist nicht passiert, auch wenn fast alle es so übernommen haben.

Was auf den APA-Bildern (hier in einer oe24-Galerie) durchbrochen aussieht, ist das Brückengeländer. Die Leitplanke hingegen, wurde zwar durch die Energieaufnahme beim Aufprall kontrolliert aus den Ankern gerissen und erheblich gedehnt, aber ihr straff gespanntes, nach wie vor intaktes Stahlband war es, das den LKW vor dem Sturz in die Tiefe bewahrt haben dürfte. Wie auf den Bildern klar zu erkennen ist.

Im folgenden Crashtest sieht man ab Sekunde 30 sehr schön, wie sich die Konstrukteure das vorgestellt haben und wie es dann heute auch gehalten hat:

Nachtrag 20.1.: Wenn wir die heutigen Berichte in den gedruckten Ausgaben zusammenfassen, handelt es sich übrigens um eine 58 (“Heute”) bis 80 Meter hohe Brücke (APA), die über eine 111 Meter tiefe (“Österreich”) Schlucht führt. Wundersames Kärnten. (Danke @Georg H.)

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Falscher Kuss in “Heute”

In der Ausgabe vom 6.12. erzählt “Heute” die Erfolge des spanischen “Tormanngottes” Iker Casillas  in Bildern:

Doch der gezeigte “legendäre WM-Kuss beim Interview” ist nur eine Imitation des berühmten Kusses Iker Casillas und seiner Freundin Sara Carbonero bei der WM 2010, wie man auf YouTube erkennen kann (am besten anhand des hineinmontierten Hintergrundes):

Falscher Kuss (Youtube):                                                      Richtiger Kuss (Youtube):

Österreich, die Süddeutsche oder das Abendblatt machten es im Juli 2010 richtig und veröffentlichten das originale Kussbild, auf Heute.at konnte kein früherer Bericht darüber gefunden werden.

(Danke an die beiden in Wien weilenden spanischen Touristen für den Hinweis!)

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