Bild.de hat ein Interview mit Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty geführt, das mitten in einer Antwort endet:

Vielleicht war der Autor zu dieser späten Uhrzeit auch zu müde, um das Interview fertig zu transkribieren.
![]()
Bild.de hat ein Interview mit Amnesty-Generalsekretär Salil Shetty geführt, das mitten in einer Antwort endet:

Vielleicht war der Autor zu dieser späten Uhrzeit auch zu müde, um das Interview fertig zu transkribieren.
![]()
Laut einem Artikel auf Heute.at hatte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel vergangenen Mittwoch großes Glück bei einem Helikopterflug:
Beide Antriebsturbinen fielen aus, konnten erst wenige hundert Meter über dem Boden wieder gestartet werden.
Weiter heißt es:
Der Helikopter landete zunächst in Offenburg, beim Weiterflug nach Oberschleißheim kam es schließlich zu technischen Komplikationen.
Was man bei diesem Satz vergessen hat, ist die Information, dass Angela Merkel in Offenburg bereits ausgestiegen war, um einen Wahlkampftermin wahrzunehmen. Der Hubschrauber, nun ohne Merkel, flog daraufhin nach einem Tankstopp zurück zu seiner Einsatzbasis, als sich nach gut 200 Kilometern der Beinahe-Unfall ereignete. Die Kanzlerin selbst war also nie in Gefahr. Von “Merkel entging nur knapp Helikopter-Unfall” (Krone.at) kann also keine und von “Merkel stürzte beinahe mit Hubschrauber ab” (Heute.at) erst recht keine Rede sein.
Der Spiegel-Online titelte “Merkel-Hubschrauber entgeht nur knapp Absturz” und ergänzte:
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels entstand der Eindruck, Merkel habe zum Zeitpunkt des Beinahe-Unglücks noch in dem Helikopter gesessen. Dies war nicht der Fall. Wir entschuldigen uns für die Unklarheit.
Großartig auch das kleine Schaubild auf Bild.de, das das dramatische Ereignis zusammenfasst. Besondere Aufmerksamkeit bitte auf das kleine Auto am unteren Rand!

Das BILDblog hat eine Übersicht über weitere deutschsprachige Medien.
“It’s a fluid situation” antwortete das US-State-Department in den letzten Tagen meist, wenn sie von Medien um eine Stellungnahme zur Revolution in Ägypten gefragt wurden. Fluid situations sind schwierige Zeiten für Printmedien. Hier ein paar Köstlichkeiten aus den letzten Tagen. (Weitere Beispiele bitte per Kommentar posten!)
Die heutige Abendausgabe (!) der Kronen Zeitung titelt:

Blöd nur, dass Mubarak heute von eben diesen Militärs zurückgetreten wurde. (Danke an Thomas Mohr für das Foto!)
Ein Rücktritt, den gestern alle erwartet hatten – doch es kam anders, der alte Mann zeigte sich stur und schloss in seiner Rede einen Rücktritt kategorisch aus. (Wie blamabel die Übertragung dieser Rede im ORF war, der ansonsten dank Karim El-Gawhary großartige Analysen lieferte, hat Axel Maireder schon dokumentiert.)
Die Oberösterreichischen Nachrichten wollten offenbar trotz frühen Redaktionsschlusses nicht auf die großartige Meldung verzichten und titelten gestern:

Die richtige Schlagzeile zum gänzlich falschen Zeitpunkt – denn anstatt zu jubeln protestierten die Ägypter zornig bis in die Morgenstunden. (Danke an Florian Gossy für das Foto!) Ähnlich erging es auch der Bild.de, wie das BILDblog dokumentiert hat:

Die Tücken vorbereiteter Eilnachrichten, wie ein Blick in die URL des Artikels zeigt:
![]()
Siehe auch Sabine Bürgers Artikel auf DerStandard.at zum gleichen Thema. Wer kennt weitere #Mediafails?
Update: Sabine Bürger berichtet auf DerStandard.at von einem Brief des ORF-Chefredakteurs Dittlbacher, in dem dieser akustische Schwierigkeiten als Grund für die schlechte Simultanübersetzung nennt.
Update 2: Marlene Altenhofer schickt uns folgenden Zeitungsausschnitt aus der Kronen Zeitung vom 11.2. (OÖ-Ausgabe, tagsüber), die ebenfalls von einer Nacht der Feiern berichtete, obwohl sie vielmehr eine Nacht des Zorns war:

Update 3: Sabine Bürger schoss am Samstag, den 12.2. um ca. 16:30, also 24 Stunden nach Hosni Mubaraks Rücktritt, am Wiener Europaplatz folgendes Foto:

Mit einem kontroversionellen Auftritt bei der ARD-Talkshow “Beckmann” versuchte “No Angels”-Sängerin Nadja Benaissa letzten Dienstag ein neues Kapitel im Drama rund um ihren sogenannten HIV-Prozess aufzuschlagen. Man möchte meinen, dass die “Österreich” – Redaktion, die den Fall seit geraumer Zeit detailliert dokumentiert, es für wichtig erachten könnte, diesen Auftritt auch tatsächlich anzusehen, was im Zeitalter von On-Demand kein Problem darstellen kann.

Abschreiben statt Recherche?
Stattdessen vermittelt der Artikel von Oe24 den Eindruck, als hätte man den Artikel der BILD-Zeitung Stück für Stück umformuliert. So ähneln sich schon die Schlagzeilen “No Angels-Nadja gibt Opfer Mitschuld!” (BILD) und “Nadja Benaissa gibt Opfer Mitschuld” (Österreich).
Dann der erste Absatz:
Die Sängerin stellte sich in Begleitung ihres Anwalts den Fragen des Moderators – sprach aber fast nur über die Zeit vor ihrer Verhaftung und die „Riesen-Lawine“, die danach über sie hereinbrach! (BILD)
Das wird zu:
Nadja erschien in Begleitung: An ihrer Seite war ihr Anwalt. Die meiste Zeit sprach sie über die Zeit vor der Verhaftung und über die Zeit danach, über die “Riesen-Lawine”, die da über sie hereinbrach. (“Österreich”)
Dem zweiten Absatz widerfährt ein ähnliches Schicksal
Oe24 berichtet weiters:
Über ihre Schuld schwieg Benaissa. Sie räumte nur ein: (..) Sich selbst sieht die 28-Jährige als ‘lebendiges Beispiel und auch ein lebendes Mahnmal, was das Thema HIV betrifft.’ (“Österreich”)

BILD hatte dies zehn Stunden früher fast wortgleich formuliert:
Über ihr Opfer, ihre Schuld verlor sie dagegen kaum ein Wort, sagte nur: (..) Bei Beckmann sah sich Nadja nun als „lebendiges Beispiel und auch ein lebendes Mahnmal, was das Thema HIV betrifft.“ (BILD)
Der Rest des “Österreich”-Artikels scheint sich ähnlich am BILD-Artikel zu orientieren. Dass es auch anders geht, zeigen Bunte, Gala oder Welt, einzig der Schweizer Blick scheint auch bei BILD abzukupfern.
Ein Gericht verbietet dem TV-Sender RTL per einstweiliger Verfügung, Nacktszenen der preisgekrönten deutschen Schauspielerin Sibel Kekilli zu zeigen. Kekilli hatte im Alter von 22 Jahren in einem Porno mitgespielt.
Nach so vielen Jahren hat sie es nicht mehr zu dulden, dass die Szenen im Fernsehen ausgestrahlt werden.
..zitiert das Gratisblatt “Heute” sowie Heute.at das Gericht. Und illustriert den Artikel ausgerechnet mit einer Nacktszene aus besagtem Porno. “Deutschland-Verbot, bei der APA im Archiv” lautet die speicheltriefend-heuchlerische Rechtfertigung in der Bildunterschrift. Das Kammergericht Berlin hat der BILD außerdem schon 2004 verboten, Nacktszenen aus dem Film abzudrucken. Aber solang’s die APA im Archiv hat..
Die Headline “Verbot ihrer Sexfilme” ist übrigens schlichtweg falsch, der Gerichtsentscheid bezog sich nur auf eine Ausstrahlung auf RTL.
In einem Interview mit dem ZEIT-Magazin äußert sich der deutsche Altkanzler Helmut Schmidt, über die Hetze der BILD-Zeitung gegen Griechenland und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. Im Gespräch mit Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, bezeichnet er die Berichterstattung des Boulevardmediums als “Missbrauch der Pressefreiheit”.
Auf die Frage, wo denn die Grenze zwischen rhetorischer Überzeugungskraft und purer Demagogie liege, antwortet Schmidt mit klaren Worten:
Wenn ich lese, wie die auflagenstärkste europäische Tageszeitung, genannt Bild, in den letzten Wochen beinahe jeden Tag den Lesern klargemacht hat, dass man sein eigenes Geld nicht dafür verwenden sollte, dem aus eigener Schuld in Not geratenen Nachbarstaat Griechenland zu helfen, dann ist das in Wirklichkeit Demagogie oder, wenn Sie so wollen, ein Missbrauch der Pressefreiheit.
(Via BildBlog/ Bild: Nuriya Fatykhova, Creative Commons)
Es ist eine Krux mit diesen verschiedenen Einheiten. Was bei uns Kilometer sind, sind in den USA Meilen, statt in Meter oder Zentimeter wird in Foot oder Inches gemessen, die Temperatur gibt es nur Grad Fahrenheit und eine Milliarde ist a billion.
Soweit, so klar. Eigentlich. Bild.de berichtet nun nämlich davon, dass Apple mittlerweile “5 Billionen” Downloads im seinem App-Store zu verzeichnen hat. Dass es sich dabei allerdings “nur” um ein Tausendstel davon handelt, scheint bei dieser beeindruckenden Zahl übersehen worden zu sein.


Der Linksgolfer machte vor kurzem auf eine Story der BILD-Zeitung aufmerksam, in der ein Übergriff auf Golf-Star Tiger Woods geschildert wird. Auch Heute.at und Kurier.at übernahmen den Bericht über eine angebliche Attacke.
Aber: Der Vorfall hat in dieser Form nie stattgefunden.
Ein Zuschauer hätte versucht, den Sportler anzugreifen – konnte jedoch in letzter Sekunde von den anwesenden Securities, mit Hilfe eines Elektro-Tasers gestoppt werden. BILD:
Es geschah an Loch 11. Travis Parmelee (36) löste sich aus der Menge, lief brüllend auf Woods zu. Sofort waren Sicherheitskräfte zur Stelle, streckten den Mann mit einer Elektroschockpistole nieder.
Dramatische Szenen also die, geht es nach der BILD, ausschlaggebend dafür gewesen sind, dass Tiger Woods das Turnier kurz darauf abbrechen musste. Unter “kurz darauf” versteht das Boulevardblatt übrigens zwei Tage nach dem vermeintlichen Vorfall.

Scan: Bildblog.de
Für Sensibelchen Woods war der Vorfall zu viel, er brach das Turnier ab.
Tatsache ist jedoch, dass der Sportler das Turnier auf Grund von gesundheitlichen Beschwerden nicht beenden konnte.
Wie die Berichterstattung der Nachrichtenagentur AP zeigt, ist dieser “gezielte Angriff” so nie passiert. Der “Angreifer” – ein stark alkoholisierter Mann im Hawaii-Hemd – war schon den ganzen Tag negativ aufgefallen und hatte diverse Spieler beschimpft – worauf er vom Platz verwiesen wurde.
Die Verbindung zu Tiger Woods ist schlichtweg erfunden.
(Via BildBlog)
Das ist aber auch kompliziert mit diesen Gewichtsangaben:
Nachdem, wie von uns bereits berichtet, DerStandard.at bei einem Artikel über die Ölpest im Golf von Mexiko und die in diesem Zusammenhang verwendete schwere “Stahlglocke” ein falsches Gewicht von 64 Tonnen angab, ziehen nun weitere Medien nach und liefern übertriebene Daten:
Bild.de spricht von 125 Tonnen und Spiegel.de von 113 Tonnen. Krone.at bekommt zwar das Gewicht mit 100 Tonnen richtig hin, macht dafür allerdings die Glocke 3 Meter höher.
Über Gewicht und Maße dieser Stahlglocke lässt sich aber schwer diskutieren. Es stellt sich also die Frage, warum nicht einfach die von BP selbst angegeben Daten verwendet werden.
Bild: © BP p.l.c.
Update: Selbst BP veröffentlicht mittlerweile unterschiedliche Angaben zum Gewicht der Glocke. Obwohl noch vor einer Woche in einer Presseerklärung von 100 Tonnen gesprochen wurde, ist in einem aktuellen “Fact Sheet” das Gewicht mit 125 Tonnen beziffert.
Vielen Dank an Kobuk Leserin Annie.
Liebe BILD, magnetische Kinder gibt es nicht.
Laut Bild.de sind die Kinder Bogdan (7) Jahre alt und Ivan (6) Jahre alt magnetisch:
Die Eltern der beiden Kinder behaupten, dass an ihren Kindern Metall magnetisch haften kann. Ich glaube jedoch lieber Discovery News, die gute Argumente liefern, warum diese Kinder nicht magnetisch sind:
Der entsprechende physikalische Effekt nennt sich nicht Magnetismus sondern… Reibung.