Liebe Frau Dichand,
danke für die Quelle zu der von einem Kobuk-Autor behaupteten Zeitungsente in der heutigen Ausgabe Ihrer Zeitung “Heute”, die Sie mir eben auf Ihrem nagelneuen Twitter-Account schicken, spätabends von Ihrem Blackberry:
Willkommen auf Twitter. Jetzt werfe ich doch gleich einen Blick auf diese wirklich lustige Website, WNCNEWS, von der hab ich noch nie gehört. Auf der spärlichen Kontaktseite finde ich den Absatz:
We as “WNC News” has tested the information in this website to the best of our ability. But it is well said that human makes errors. So, help us finding the erros, bugs or any other way by which we can improve your experience with us.
Ich gestehe, die Hervorhebungen sind von mir. Der Autor Nummer eins der Website dürfte übrigens eine besondere Ausbildung genossen haben:
David is a graduate of the University of Some State.
In some country, I assume.
Die Website hat PageRank Null (zum Vergleich: Heute.at hat PageRank 6), aber zumindest 65.000 Einzelseiten. Frau Dichand, Sie dürften einer Contentfarm aufgesessen sein. Ich hoffe, Ihre Redaktion bezieht keine “Nachrichten” aus solchen Quellen.
Ihr Quell-Link hat übrigens keinen Inhalt, sondern verlinkt nur auf einige Artikel. Der erste davon enthält den Satz:
Frattini said that an African country to give asylum to Muammar Gaddafi and ignore that Libyan leader will remain in power.
Wenn ich das holprige Englisch richtig deute, dürfte auch das Ihre Zeitungsente kaum entlasten.
Oder war Ihr Tweet nicht ernst gemeint sondern ein um zwei Tage verfrühter Aprilscherz? Oder ein Test, und ich bin reingefallen?
fragt sich,
Ihr Helge Fahrnberger
Ein P.S. für Zweifler: Der Twitter-Account @EvaDichand ist echt:

Update: Die Website hat ein paar der Fehler beseitigt, und der (vermutliche) indonesische Betreiber hat sich in den Kommentaren gemeldet.
“Heute”-Leser in U-Bahn betrogen (Update)
Boulevard ist, wo jeder Tod ein Mord, jeder Diebstahl ein Raub und jeder Fur… Wind ein Orkan ist — und sagt jetzt nicht, das sei Betrug.
Und weil’s bei den Kollegen von “Österreich” grad so toll mit Photoshop geklappt hat, pflanzt auch “Heute” den DJ ganz unauffällig vor ein paar Archivpalmen hin.
Update 29.1.2012: Was soll man von einer öffentlich-rechtlichen Sendung erwarten, die “Heute in Österreich” heißt? Hier die Anmoderation der Ötzi-Story im ORF (abrufbar bis 3.2.):
Also noch mal ganz langsam: Ein Fahrzeugeinbruch, in Abwesenheit des Besitzers, ist kein Raub (und hoffentlich auch kein Beleg für die Gefährlichkeit einer Stadt). Zu behaupten DJ Ötzi sei “ausgeraubt” worden, ist daher ungefähr so zutreffend, wie seinem Gesang reale Körperverletzung zu unterstellen. Obwohl…
(Mit Dank an Erich T. für den ORF-Hinweis)