
Die Gratiszeitung “Heute” infomiert am 2.12. über himmelschreiende Ungerechtigkeiten der heimischen Justiz, über “Wahnsinns-Urteile”, nach denen einmal Lügen so viel koste wie 20 gebrochene Frauennasen:

Auch wenn die konkrete Strafbemessung für Laien schwierig erscheint, sollten Journalisten, die sich darüber lauthals und vorallem publizistisch mockieren, sich zumindest ein wenig schlau machen:
- Geldstrafen berechnen sich nach Tagsätzen. Lediglich die Anzahl dieser Tagsätze richtet sich nach der Art und Schwere der Tat, und damit auch nach konkret vorliegenden mildernden oder erschwerenden Umständen, wie beispielsweise der (Un-)Bescholtenheit des Täters.
- Die Höhe dieser Tagsätze allerdings bestimmt sich nach den wirtschaftlichen und persönlichen Umständen des Täters – und ist mit mindestens €4 und höchstens €5.000 festzusetzen (Strafgesetzbuch §19).
Die Strafbemessung ist also nicht einfach ein Preiszetterl, das auf einer Tat klebt. Eine niedrige Geldstrafe kann einfach ein Indiz dafür sein, dass der Täter ein armer Schlucker ist und/oder mildernde Umstände vorlagen.
Sich damit näher auseinander zu setzten, hätte die Geschichte obsolet gemacht war “Heute” wohl zu langweilig.
(Danke für den Hinweis an Georg Wageneder.)












“Österreich”ische Mathematik
Dass “Österreich” manchmal scheinbar eigene mathematische Regeln aufstellt, ist ja nichts Neues. Dass Herausgeber Wolfgang Fellner selbst anscheinend so seine Probleme mit dem Prozentrechnen hat, ist allerdings schon bezeichnend.
Am Sonntag, den 4. Dezember, spricht er in seiner täglichen Kolumne “Das sagt Österreich” über mögliche Mehrkosten für den Steuerzahler durch die Gehaltserhöhung der Beamten.
Nur einen Tag später, in der Ausgabe vom Montag, den 5. Dezember, ist die Sache dann auch entschieden:
Das hieße dann also, höhere Mehrkosten als erwartet. Nicht aber lt. Rechnung von “Österreich”:
Also nochmal ganz langsam:
2,5 % wären also laut “Österreich” 300 Millionen, 2,95 % demnach aber 277 Millionen Euro; das sind zwar 0,45 Prozentpunkte mehr, hier jedoch 23 Millionen Euro weniger.
Ein Blick in andere Tageszeitungen zeigt, das auch diese hier von Mehrkosten von 277 Millionen Euro durch die festgelegten 2,95 % sprechen. Gehen wir also davon aus, dass diese Zahl stimmt, müssen wir fast vermuten, dass dem Herausgeber mit seinen “300 Mille” ein kleiner Rechenfehler unterlaufen ist.
(Herzlichen Dank an Leser Victor für den Hinweis.)