Der Inzest-Opa und die Journalisten-Richter-Henker-Meute (Update)

Da müht man sich ab, in den besten Redaktionen des Landes,

("Krone", 26. 8. 2011)

trotzt mit gefüllter Portokassa den kleinkarierten Beschränkungen des Medienrechts

("Österreich", 27. 8. 2011)

und pfeift auf journalistische Moral und Ehrenkodex sowieso.

("Österreich", 28. 8. 2011)

Immerhin hat man einen Informationsauftrag zu erfüllen. Muss den Lesern ein gnadenlos recherchiertes Bild vermitteln, über diesen abartigen Eigenbrötler, der sich nie am Gemeindeleben beteiligte und in keinem Verein war:

("Österreich", 27. 8. 2011)

Außer beim ASKÖ, über 60 Jahre — doch was kümmern uns unsere Lügen vom letzten Tag? Heut ist wahr. Gestern war.

("Österreich", 28. 8. 2011 - man beachte auch die gepixelte Radkappe)

Und dennoch gibt es immer noch Menschen, die diesem “Inzest-Monster” die … Stange halten:

("Krone", 28. 8. 2011)

Die trotz aller Aufklärungsarbeit der Top-Journalisten-Richter-Henker dieses Landes erst ein Gerichtsurteil abwarten möchten, oder zumindest die offizielle Anklage, bevor sie sich über diesen Mann — von dem sie derzeit gesichert nur wissen, dass er von seinen Töchtern mehrere Tage hilflos am Boden liegen gelassen wurde und nun schwer von ihnen beschuldigt wird — ihr eigenes Urteil bilden. Ja lesen diese Menschen denn keine Zeitung?!

Ein „Heute“-Redakteur bringt kopfschüttelnd und leicht fassungslos auf den Punkt, was er von der Einstellung solcher Bürger hält, die das mediale Vor-Urteil infrage stellen:

("Heute", 29. 8. 2011)

Wahnsinn!



Update 9.9.2011: Der Verdächtige wurde heute aus der U-Haft entlassen. Die Inzest-Vorwürfe waren Medienberichten zufolge ein Missverständnis bei der Einvernahme der beiden geistig beeinträchtigten Schwestern. Und jetzt einfach noch mal die Bilder anschauen, in diesem Artikel.

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9 Kommentare

  1. whsonic
    Am 31. August 2011 um 05:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Den Ausdruck „die Stange halten“ würde ich als Journalist in diesem Zusammenhang vermeiden.

  2. Am 31. August 2011 um 15:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @whsonic
    Ja. aber wer weiß, vielleicht denken Krone-Redakteure einfach unverdorbener als ihre Leser…? 😉

  3. whsonic
    Am 31. August 2011 um 17:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das wird’s sein. Lauter naive Romantiker bei der Krone.

  4. Am 1. September 2011 um 08:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wieso ein Vater, der seine Töchter missbrauchte, deswegen ein »Inzest-Opa« ist, bleibt wohl das Geheimnis von ÖSTERREICHs auflagenzweitstärkster Verschenkzeitung.

  5. Common Sense
    Am 1. September 2011 um 11:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nach dem Urteil gegen die „schlimmen Kinder von Ameland“, nach dem medialen Desaster, nach dem journalistischen MORD wäre es doch angebracht, wenn sich zumindest eines dieser Schmierblätter bei all den Kindern, die sie durch den Dreck gezogen haben, zu entschuldigen und wenigstens in diesem Fall das zuvor Verbrochene durch Wahrheit zu berichtigen. Das würde diesem Medium zumindest einen Teil seiner Seriösität zurückgeben.

    Eine „Krone-online“ Leserin schreibt: Der alte Mann hatte offensichtlich jahrelang Spass daran, seine Kinder zu maltraetieren und mit seinen Uebergriffen zu quaelen und zu schaenden und jetzt will er auch noch frei ausgehen, damit er den Rest seines jaemmerlichen Lebens auch noch geniessen kann. Das hat er nicht verdient!

    Offensichtlich, also klar und deutlich erkennbar schuldig. Wenn dem nun so wäre, wozu dann Untersuchungen und Gutachten? Reiche es nicht, gleich das Urteil zu verkünden, wenn es keine Zweifel mehr gibt?

    Verantwortlich für solche Reaktionen sind die Medien, die hinterlistigen Zwietrachtsäer oder Volksverhetzer. Man muß diese zur Verantwortung ziehen, für jedes verbale Verbrechen an der Gesellschaft. Als Konsequenz sollte man dieses Verfahren einstellen mit der Begründung: Auf Grund der medialen Vorverurteilung ist ein vorurteilsfreies Strafverfahren nicht mehr zu gewährleisten.

    Das wäre ein Schlag ins Gesicht der Medien, wenn ein BESCHULDIGTER Sexualstraftäter durch deren eigene Schuld nicht verurteilt werden kann. Ich wünsche allen diesen Journalisten ein frei erfundenes Sexualverbrechen an den Hals, damit sie am eigenen Leib spüren, wie sich das anfühlt, wenn andere daraus Gewinne generieren, indem sie ihn der Bevölkerung als SCHULDIG unterjubeln.

  6. Am 1. September 2011 um 20:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @ Common Sense
    Danke für den Hinweis auf Ameland. Der Fall ist vermutlich nicht jedem präsent, ich wusste zu meiner Schande auch nichts davon. Hier eine lesenswerte Zusammenfassung: http://www.sueddeutsche.de/panorama/urteil-nach-missbrauchsvorwuerfen-auf-ameland-gewalttaeter-muessen-sozialstunden-leisten-1.1137346

    Es ging um schockierende Vorwürfe (hier exemplarisch im Stern) gegen Jugendliche, die in einem Ferienlager Gleichaltrige brutal sexuell missbraucht haben sollen (der Stern erklärt seinen Lesern in diesem Zusammenhang sogar den Begriff „Fisten“). Vor Gericht haben sich diese Vorwürfe als haltlos erwiesen. Übrig blieben vergleichsweise harmlose Quälereien unter Pubertierenden. Und eine schallende Ohrfeige für die Medien und Behörden:

    Das Gericht berücksichtigte [strafmildernd] zudem eine erhebliche Belastung der Angeklagten durch die Medienberichte. […] Alle Beteiligten, besonders aus dem Täterkreis, hätten eine beispiellose Vorverurteilung und Diffamierung im Privatleben hinnehmen müssen. Durch Informationen der Staatsanwaltschaft an die Medien seien der Persönlichkeitsschutz der Jugendlichen und das Resozialisierungsgebot unzumutbar vernachlässigt worden.

  7. Frosch
    Am 9. September 2011 um 18:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und nun ist er DOCH unschuldig! Dieser Fall sollte benutzt werden, um den Medien endlich mal Zügel anzulegen. Empfindlich hohe Strafen sollte solche Berichterstattung mindestens zur Folge haben.

  8. kellermama
    Am 9. September 2011 um 21:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    man weiß nichts. nichts.NICHTS. von aussagen wie

    „Und nun ist er DOCH unschuldig! Dieser Fall sollte benutzt werden, um den Medien endlich mal Zügel anzulegen. Empfindlich hohe Strafen sollte solche Berichterstattung mindestens zur Folge haben.“

    möchte ich in diesem sinne bitten abstand zu nehmen. in einem blog, das sich dem beweisbaren widmet ………………………….

  9. Am 9. September 2011 um 22:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja, unglaublich. Schade, dass das Gesetz keine Freiheitsstrafen für die verantwortlichen Redakteure vorsieht. Wenn ichs richtig im Kopf habe, kann das als Täter vorverurteilte nunmehrige Medien-Opfer nicht mal 100.000 Euro Schadenersatz einfordern…

Ein Trackback

  • Von Inzest-Opa unschuldig! — nulleffekt.net am 10. September 2011 um 00:25 Uhr veröffentlicht

    […] das Funktionieren der hiesigen Boulevardmedien offenlegen. Aus dem Nachhinein betrachtet ist dieser Kobuk-Artikel ein hervorragendes Lehrstück über die systematische Vorverurteilung in den Boulevardmedien des […]