Wir lesen Zeitung
und schauen fern.

ORF Tirol: Manipulative Schnitte und fragwürdige Fehlerkultur

Dem ORF wird regelmäßig politische Manipulation unterstellt, meist zu Unrecht, wie auch die Seethaler-Studie eindrucksvoll zeigte. Doch gestern Abend ging in Tirol Heute ein tatsächlich höchst manipulativer Beitrag auf Sendung: Es wurde der Eindruck erweckt, der Tiroler FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger würde den Nazi-Äußerungen eines älteren Sympathisanten zustimmen. In der Zib13 erfolgte zwar eine Richtigstellung in der Sache, jedoch völlig frei eines Fehlereingeständnisses seitens des ORF.

Im Tirol Heute-Beitrag ist der FPÖ-Sympathisant zu hören, wie er sich unter anderem darüber beschwert, dass man nicht mehr „Stinkende Juden“ sagen dürfe, ohne als Nazi zu gelten. FPÖ-Spitzenkandidat Abwerzger steht nickend neben ihm, eine weitere Reaktion Abwerzgers fällt dem Schnitt zum Opfer. Der Beitrag endet dann mit der Abmoderation „Landtagswahlkampf auf Hochtouren“:

Nach Protesten Abwerzgers auf Twitter sendete der ORF heute in der ZIB13 auch den herausgeschnittenen Teil, in dem zu hören ist, wie er dem Sympathisanten mehrmals mit „Das soll man auch nicht sagen“ widerspricht. Der neben ihm stehende FPÖ-Klubchef Rudi Federspiel sagt zudem „Jeder Mensch hat seine Würde, jeder Mensch hat seine Rechte“. Auch körpersprachlich ist keine Zustimmung mehr zu erkennen:

Nun wird Abwerzger zwar die Gelegenheit gegeben, dem Eindruck der Zustimmung zu den antisemitischen Äußerungen zu widersprechen, und es sind nun auch die herausgeschnittenen Teile zu sehen, aber im Beitrag, den wieder die selbe Redakteurin gestalten durfte, fehlt jegliche Entschuldigung oder Selbstkritik des ORF.

Die schwere Manipulation des Vortrages bleibt unbenannt. Auch Herr Abwerzger kommt mit keiner Kritik am ORF zu Wort. (Ob er diesen in dem Gespräch kritisiert hat, wie ich annehmen würde, habe ich auf Twitter gefragt.)

Zum manipulativen Schnitt kommt also noch unterirdisches ORF-Fehlermanagement. Angesichts der bereits aufgeheizten „Lügenpresse“- und „Staatsfunk“-Stimmung eine kaum vertrauensbildende Vorgangsweise.

 

 

"Krone" verdoppelt Anteil der kriminellen Asylwerber
"Sexy", "heiß", "nackt": Der ganz normale Sexismus in Sportberichten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Kommentar(e)

ClemoHA - Am 11. Februar 2018 um 12:48

Ich finde, dass Sie das gut machen.
Keine Ahnung, warum Sie mich auf Twitter geblockt haben…

charly grill - Am 11. Februar 2018 um 19:51

der orf-tirol hätte auch die weitere angebliche wortspende des 86-jährigen senden können: „1 hitler – 5 hitler brauchat ma“. insofern war die berichterstattung gnädig.