Wir lesen Zeitung
und schauen fern.

Kategorie: BILD

Der Linksgolfer machte vor kurzem auf eine Story der BILD-Zeitung aufmerksam, in der ein Übergriff auf Golf-Star Tiger Woods geschildert wird. Auch Heute.at und Kurier.at übernahmen den Bericht über eine angebliche Attacke.

Aber: Der Vorfall hat in dieser Form nie stattgefunden.

Ein Zuschauer hätte versucht, den Sportler anzugreifen – konnte jedoch in letzter Sekunde von den anwesenden Securities, mit Hilfe eines Elektro-Tasers gestoppt werden. BILD:

Es geschah an Loch 11. Travis Parmelee (36) löste sich aus der Menge, lief brüllend auf Woods zu. Sofort waren Sicherheitskräfte zur Stelle, streckten den Mann mit einer Elektroschockpistole nieder.

Dramatische Szenen also die, geht es nach der BILD, ausschlaggebend dafür gewesen sind, dass Tiger Woods das Turnier kurz darauf abbrechen musste. Unter „kurz darauf“ versteht das Boulevardblatt übrigens zwei Tage nach dem vermeintlichen Vorfall.

Scan: Bildblog.de

Die RedakteurInnen von Heute üben sich in Empathie und machen gar Woods sensiblen Charakter für den Abbruch verantwortlich:

Für Sensibelchen Woods war der Vorfall zu viel, er brach das Turnier ab.

Tatsache ist jedoch, dass der Sportler das Turnier auf Grund von gesundheitlichen Beschwerden nicht beenden konnte.

Wie die Berichterstattung der Nachrichtenagentur AP zeigt, ist dieser  „gezielte Angriff“ so nie passiert. Der „Angreifer“ – ein stark alkoholisierter Mann im Hawaii-Hemd – war schon den ganzen Tag negativ aufgefallen und hatte diverse Spieler beschimpft – worauf er vom Platz verwiesen wurde.

Die Verbindung zu Tiger Woods ist schlichtweg erfunden.

(Via BildBlog)

Das ist aber auch kompliziert mit diesen Gewichtsangaben:

Nachdem, wie von uns bereits berichtet, DerStandard.at bei einem Artikel über die Ölpest im Golf von Mexiko und die in diesem Zusammenhang verwendete schwere „Stahlglocke“ ein falsches Gewicht von 64 Tonnen angab, ziehen nun weitere Medien nach und liefern übertriebene Daten:
Bild.de spricht von 125 Tonnen und Spiegel.de von 113 Tonnen. Krone.at bekommt zwar das Gewicht mit 100 Tonnen richtig hin, macht dafür allerdings die Glocke 3 Meter höher.

Über Gewicht und Maße dieser Stahlglocke lässt sich aber schwer diskutieren. Es stellt sich also die Frage, warum nicht einfach die von BP selbst angegeben Daten verwendet werden.

Bild: © BP p.l.c.

Update: Selbst BP veröffentlicht mittlerweile unterschiedliche Angaben zum Gewicht der Glocke. Obwohl noch vor einer Woche in einer Presseerklärung von 100 Tonnen gesprochen wurde, ist in einem aktuellen „Fact Sheet“ das Gewicht mit 125 Tonnen beziffert.

Vielen Dank an Kobuk Leserin Annie.

Die fleißigen Kollegen vom BILDblog entdeckten diese „unglücklich platzierte Werbeanzeige“ auf Bild.de.

Klagsdrohungen und Abmahnungen machen auch vor einem Watchblog nicht halt, so wurde das BILDblog selbst vor kurzem von der Axel Springer AG, dem Herausgeber von „BILD“ und „Welt“, abgemahnt.

Das BILDblog hat seine Sicht der Dinge dargelegt und resümiert:

Wir sehen in dem Vorgehen der „Welt“ kein (selbstverständlich legitimes) Bemühen, eine korrekte Darstellung der Fakten zu erreichen, sondern nur den Versuch, einem lästigen Kritiker das Leben schwer zu machen.

Wir hoffen, dass Kobuk selbst von juristischen Problemen verschont bleibt, und spenden dem BILDblog unsere Unterstützung.

Mit ihrer heutigen Kampagne hat die deutsche BILD wieder einmal bewiesen, dass sie sich nicht einmal die Mühe machen, ihren Lesern Objektivität vorzugaukeln. Mit völliger Selbstverständlichkeit schreibt BILD-Redakteur Daniel Cremer über den „Deutschland sucht den Superstar“ Kandidaten Menowin Fröhlich auf Bild.de:

„Aber darf so ein Typ Superstar werden? BILD sagt: NEIN!“

Die Begründung, warum er denn nicht gewinnen darf, hält sich nicht mit seinen Gesangsqualitäten auf. Kriminelle Vergangenheit und uneheliche Kinder erscheinen dem Autor wichtiger zu sein als Gesangstalent. Und da Menowin offensichtlich singen kann und demnach die Gefahr besteht, dass er am heutigen Samstag auch die siebte Staffel von „DSDS“ gewinnt, zieht BILD jetzt alle Register:

Heute startet BILD tatsächlich eine Kampagne, ganz offiziell. (…) Menowin Fröhlich soll nicht gewinnen! (..) Menowin ist einfach kein Superstar. Er wird nie einer werden!

Bei dieser unverblümten Art der Stimmungsmache hat die BILD wieder einmal bewiesen, dass sie mit objektivem Journalismus wirklich so überhaupt gar nichts am Hut hat.

Ein weltbekannter Promi, eine romantische Landschaft und eine grausam zugerichtete Leiche: Das ist der Stoff aus dem Träume gemacht sind, zumindest die eines Boulevardjournalisten. In unserem Fall ist die romantische Landschaft der Comer See, der weltbekannten Promi heißt George Clooney und auch die Leiche gab es tatsächlich. Die Mischung  ist perfekt und dementsprechend groß war das Medieninteresse. Blöd nur, dass die Leiche und Clooney so gar nicht zusammenpassen wollten. Denn wie das BildBlog berichtete, trieb die Leiche bereits mehrere Tage im 146 Quadratkilometer großen Comer See als sie „weniger als einen Kilometer“ entfernt von Clooneys Villa gefunden wurde. Dem Schweizer „Blick“ war das nicht nah genug und aus „weniger als einem Kilometer“ wurden prompt „wenige Meter“.

Diesem Augenmaß schloss sich auch bild.de an, bis die Frauenleiche auf netplosiv.org letztlich direkt vor dem Haus des Hollywoodstars aufgefunden wurde. Auch die Online-Ausgabe der Zeitung „Österreich“ wollte dem um nichts nachstehen und packte die Angabe gleich in die Überschrift. Bei „Österreich“ hat man aber natürlich auch selbst recherchiert und Clooneys Haus unter die Lupe genommen: „Umgeben ist es von riesigen Mauern und damit absolut blickdicht. Es dürfte also unwahrscheinlich sein, dass er selbst die Leiche entdeckt hat.“ Diese Logik ist freilich bestechend. Eigentlich schade, dass die riesigen Mauern nirgends zu sehen sind.

Falschmeldungen dürfte Clooney aber bereits gelassen sehen. Erst im Februar 2010 berichteten Medien über seinen angeblichen Hausverkauf. Und das kommentierte er dann so: „Die Geschichte ist erfunden, von anderen aufgegriffen und hiermit dementiert worden. Ende eines neuen Tages mit falschen Meldungen“. Dem kann man wohl nichts mehr hinzufügen.

Bild: Haus von Clooney. cc Holly Hayes

Stefan Niggemeier geht im BildBlog der kuriosen Frage nach, warum die BILD den natürlichen Tod eines (bislang) namenlosen unter 4000 Bewerbern für eine Castingshow Stefan Raabs als Meldung des Tages auf den Titel hebt. Lesenswert.

Ausriss: BildBlog.

17. Feb: pleaserobme.com geht online. Die Seite nimmt das mangelnde Sicherheitsbewusstsein vieler Internetuser aufs Korn und listet den Twitter-Status von Menschen, die gerade nicht zu Hause sind. Es handelt sich dabei um User des standortbezogenen Dienstes Foursquare, dessen Twitter-Statusnachrichten („left home“, „checked in“) diesbezüglich hervorragend auszuwerten sind.

18. Feb: Eine britische Online-Preisvergleichsseite für Versicherungen warnt im Rahmen ihrer Pressearbeit, dass Twittern Einbrecher anlocken könnte. Man verweist dabei auf pleaserobme.com und zitiert den eigenen Bereichsleiter Darren Black:

In Zukunft könnten Versicherungen die Zahlung verweigern, falls sie das Verhalten des Kunden für fahrlässig halten. (Hervorhebungen von uns)

19. Feb: Der britische Telegraph berichtet in der Folge

Das Benutzen von Facebook oder Twitter könnte Ihre Versicherungsprämie um 10 % erhöhen.

Der Artikel bezieht sich auf die Pressemitteilung der Preisagentur und ein Interview mit Darren Black, in dem er sagt:

Es würde mich nicht wundern, falls Versicherungen die Teilnahme an sozialen Netzwerken in der Risikobewertung eines Kunden berücksichtigen würden. Bei Leuten, die diese Seiten nutzen, könnten die Prämien um bis zu 10 % steigen.

23. Feb: Die Computerzeitschrift PC-Pro recherchiert nach und vermeldet

Versicherer bestreiten Prämienerhöhung wegen Twitter

[…] Auf Nachfrage, ob er Versicherungen kenne, die Kunden für Nachlässigkeiten in sozialen Netzwerken bestrafen würden, erklärte Darren Black, dass sein Kommentar im Interview eine reine Spekulation über mögliche zukünftige Trends gewesen sei und die Nutzung von Facebook oder Twitter derzeit niemandem in die Prämie eingerechnet würde.

26. Feb: Die Kronen Zeitung schafft Fakten

Ob eine offen stehende Haustüre oder ein Urlaubseintrag auf Facebook — das macht für britische Versicherungen keinen Unterschied. […] Folge: Sie zahlen im Schadensfall nicht.

[…] So zahlen bereits in England eifrige Nutzer von Facebook, Xing, Twitter und Co. zehn Prozent höhere Gebühren bei Hausrats- und Diebstahlversicherungen.

[…] Experten entwickelten eine Seite (aus Sicherheitsgründen wird sie in der „Krone“ nicht veröffentlicht), auf der eindeutige „Einbruchs-Einladungen“ von sämtlichen [sic!] Netzwerken Europas gefiltert werden.

[…] Und dem nicht genug: Die Nachrichten werden mit Meldungen aus „Ortsnetzwerken“ verknüpft. Damit Diebe genau wissen, wer wann sein Haus verlässt.

Aus Sicherheitsgründen verlinken wir an dieser Stelle nicht auf die dzt. 802 Google-News-Treffer zu pleaserobme.com. Und weiß zufällig jemand, was genau ein „Ortsnetzwerk“ ist?

Oh, danach hätten wir jetzt besser nicht gegoogelt, denn unter den spärlichen Treffern findet sich auch die mutmaßliche Quelle (24. Feb) dieser Krone-Titelstory.

Bildblog – übernehmen Sie! 😉

Einen köstlichen Fall von mutmaßlichem Bilderklau in der Redaktion von Bild.de hat das BildBlog aufgedeckt: Ein Artikel über den der Erde angeblich gefährlich werdenden Asteroiden Apophis wurde mit einer Grafik aus dem Fundus der Bildagentur Corbis illustriert – mit klar sichtbarem Wasserzeichen, das vor unbefugter Nutzung schützen soll:

bild_corbiskomet

Inzwischen wurde das Wasserzeichen einfach abgeschnitten, schließlich zählen BILD-Redakteure zu den fleißigsten BildBlog-Lesern.

Die Sparefrohs von BILD hätten auch ohne Einwurf von großen Scheinen zu guten Illustrationen kommen können, denn die Bilder der NASA unterliegem keinem Copyright. Und für alle anderen Themen gibt’s Suchmaschinen wie Everystockphoto, die nach lizenzfreiem oder Creative-Commons-Material suchen. Hier zwei passende NASA-Illustrationen:

Gut, das Ding links ist vielleicht ein bisschen größer als der Asteroid, um den es geht, aber sowas stört bei BILD ja selten jemanden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass Apophis 2029 auf der Erde einschlägt, liegt übrigens bei 0,0007 Prozent.

(Screenshot von Bild.de: BildBlog)