Kategorien-Archiv: Oe24.at

Fellners „spannenste URL des Landes“ mit Vorjahres-News

Österreich.at, laut Niki Fellner die „spannenste URL des Landes„, glänzt mit Uralt-Sportschlagzeilen wie „Reichelt rast bei Theaux-Sieg auf Platz 2“ und „Salzburg Coach kämpft um Hinteregger“. Alle fünf Geschichten des Ressorts „Österreich-Sport“ auf der Frontpage stammen aus dem Jahr 2015.

oesterreich-aktuell

Die beiden Hauptstorys stammen vom 29. Dezember 2015 und auch die anderen drei Geschichten stammen aus dem Dezember des Vorjahres. Die österreichische Sportwelt hat also seit dem Ende des Letzen Jahres kein Update gesehen.

Das Ressort „Wien-Sport“ ist immerhin etwas aktueller, hier stammen die Geschichten immerhin nur aus Mai bis August dieses Jahres.

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AMS-Mitarbeiter leben weniger gefährlich als Boulevard meint

Heute, Österreich und die Krone berichteten über die gestiegenen Gefahren für AMS-Mitarbeiter, übertreiben dabei maßlos und vergleichen Äpfel mit Birnen. Um 163 Prozent sollen die Angriffe auf AMS Mitarbeiter laut den Boulevardblättern gestiegen sein. 163 Prozent – das klingt nach einem schlimmen Skandal: Nach „Horror-Statistik“ und „Telefon-Terror“.

horrorstatistikTatsächlich sind die Berichte aber kompletter Blödsinn. Das sieht man, wenn man sich die Beantwortung der parlamentarischen Anfrage ansieht, aus der die Zahlen stammen.

Die Übergriffe werden hier in zwei Kategorien geteilt: Jene an der Telefon-Hotline und jene in den Geschäftstellen.

An der Hotline stiegen die verbalen Übergriffe in Wien tatsächlich von 82 auf 450 an – ein Plus von etwa 450 Prozent. Eine Fußnote an dieser Stelle verrät jedoch, dass Wien im Jahr 2015 die Erfassungsmethodik änderte. Und genau deshalb ist es Unfug die Zahlen miteinander zu vergleichen.

163Bis 2014 wurden nur dann Zahlen erhoben wenn ein Mitarbeiter sich bedroht oder persönlich beleidigt fühlte und dies von sich aus meldete. Ab 2015 ordnete das AMS an, über jeden Übergriff Statistik zu führen. Die Mitarbeiter wurden aufgefordert, wirklich jeden Vorfall zu dokumentieren, unabhängig von den persönlichen Empfindungen, wie ein Sprecher des AMS auf Rückfrage erklärt. Dadurch tauchen in der Statistik zwar viel mehr Fälle auf, es lassen sich jedoch keine Rückschlüsse darauf ziehen, wie sich der Alltag für die Mitarbeiter im vergangenen Jahr tatsächlich verändert hat.

In der zweiten Kategorie, den Geschäftstellen, sind die Angriffe in Wien um 40 Prozent gestiegen, auf 260 Fälle. Gemeint ist aber nicht nur körperliche Gewalt, sondern etwa auch mündliche und schriftliche Beschimpfungen. Eine Fußnote verrät auch hier, dass 137 dieser schriftlichen Angriffe nur eine Geschäftsstelle betrafen und „zum überwiegenden Teil einer Person zuzuordnen sind.“ Auch dieser Anstieg ist also kaum aussagekräftig. Die Krone und Heute erwähnen diese Person sogar, allerdings nur im direkten Zusammenhang mit den Angriffen, nicht jedoch bei der Interpretation des behaupteten Gesamtanstiegs.

Generell lassen sich von so kleinen Zahlen kaum handfeste Trends ableiten, wie genau solche Beispiele zeigen. Denn wenn eine einzige Person die Statistik derart verfälschen kann, wo bleibt dann die Relevanz?

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„Österreich“ hat eine kriminelle Dauerexplosion

Österreich wird immer gefährlicher“ titelt die Gratiszeitung „Österreich“ am 7. Mai. Die Kriminalität sei „stark gestiegen“. Dieses Cover ist der vorläufige Höhepunkt einer verantwortungslosen Panikmache, die seit Jahren andauert.

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Um es gleich vorwegzunehmen: Die Kriminalität nimmt leicht ab. Zahlen für 2016 gibt es noch nicht, in den letzten zehn Jahren wurden aber noch nie so wenige Anzeigen erstattet wie im Jahr 2015. Das scheint „Österreich“ allerdings nicht zu interessieren, denn egal was die Statistik sagt: In „Österreich“ wird Österreich immer gefährlicher.

 

Eine Chronologie der Kriminalberichterstattung:

13. Mai

13.5.

„Österreich“ schließt von einzelnen Fällen wie einer Vergewaltigung oder einem Angriff mit einer Eisenstange auf angeblich „explodierende“ Gewalt. Eine Formulierung, die im Gratisblatt sehr beliebt zu sein scheint.

1. Mai

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Die Zahl der schwersten Delikte, so schreibt „Österreich“ wörtlich, „schnellt alarmierend nach oben“. Nun, ganz so alarmierend ist es nicht: Im vergangenen Jahr stiegen sogenannte „Schwerstdelikte“ ganz leicht, sie nahmen um 0,4 Prozent zu  (pdf, S. 56).

29. April

29.4.b

Massenschlägereien heißen in „Österreich“ prinzipiell Bandenkriege. Diese seien „außer Kontrolle“. Zwischen Tirol und Wien soll ein „täglicher Horror“ spuken. Wieder ist von steigender Kriminalität die Rede.

28. April

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Das Zentrum dieser „Kriege“ ist offenbar Wien, wo die Bürger „in Angst und Schrecken“ leben. Was ein echter Krieg ist, weiß hoffentlich jeder, der in den vergangenen Jahren etwas aus Syrien gehört hat.

20. April

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72 Prozent der Österreicher fürchten sich vor Verbrechen, in den Öffis habe jeder Fünfte Angst. Ob ein Zusammenhang zwischen „Österreich“-Lesern und verängstigten Menschen besteht, wäre allerdings zu untersuchen.

12. April

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Bahnhöfe, Ausgehmeilen oder ganze Stadtteile sind angeblich so gefährlich, dass „Österreich“ seine Leser rechtzeitig davor warnt. Die Leute dort „schlagen, erpressen, morden“. Außerdem werden die Hauptstädter „immer brutaler“ und wieder ist von irgendwelchen „Bandenkriegen“ die Rede.

1. April

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Die Nachrichten werden schlimmer. Nun behauptet das Blatt: „Einbrecher werden immer brutaler“. Wieder nimmt „Österreich“ zwei Einzelfällen und macht daraus einen allgemeinen Trend. Die Zahl der Wohnraumeinbrüche ist übrigens deutlich rückläufig (pdf, S. 56).

18. März

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Pünktlich zur neuen Kriminalstatistik beschwört das Blatt eine gesellschaftliche Katastrophe herauf. Da die Kriminalität in Wien sinkt, pickt sich „Österreich“ einen Wert heraus, der im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist (Gewaltdelikte) und behauptet, er sei „explodiert“. Tatsächlich gab es bei Gewaltdelikten einen Anstieg von sechs (!) Prozent, von 14.996 auf 15.928 Anzeigen.

16. Februar

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Und wieder eine „Explosion“. Damit niemand auf die Idee kommt, sich in den virtuellen Raum zurückzuziehen, erinnert „Österreich“ vorsorglich daran, dass Kriminelle ihr Treiben ins Netz verlagern würden. Tatsächlich stieg die Internet-Kriminalität im letzten Jahr, jedoch war sie in den Jahren 2012 und 2013 bereits höher – von „Explosionen“ sind wir also weit entfernt.

27. Jänner

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Eigentlich ist im Artikel von „Diebstählen, Sachschäden und Körperverletzungen“ die Rede – aber im Titel muss schon das reißerische Wort „Terror“ stehen, damit die Aussage richtig Feuer bekommt.

Diese Artikel sind alle in diesem Jahr erschienen. Die Jahre davor sieht die Berichterstattung aber auch nicht anders aus:

2015 berichtet „Österreich“ über minütliche Verbrechen. 2014explodiert“ der Fahrrad-Klau, 2013 gerät der Praterstern „völlig außer Kontrolle“.

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Auch 2012 „explodieren“ Gewalt, Kriminalität und Internet-Kriminalität.

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2011 liest man von einer „Explosion“ von Handtaschenraub. Interessant dabei: Vor allem montags und donnerstags solle man ganz besonders auf seine Tasche aufpassen. Und da das offenbar nicht angsteinflößend genug ist, zählt „Österreich“ zwei Monate später noch die größten Geiselnahmen der vergangenen zwei Jahrzehnte auf. Wir sagen danke, die hätten wir sonst fast vergessen.

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Schon 2010 pickte das Blatt einen steigenden Wert der Kriminalstatistik heraus und verbreitete mit einem vermeintlichen „dramatischen Anstieg an Mordfällen“ Angst unter seinen Lesern. Dass fast alle anderen Delikte rückläufig waren, wäre ja langweilig zu erwähnen.

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Und erinnern wir uns – so sieht die Kriminalstatistik für die vergangenen zehn Jahre aus:

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Co-Autorin: Gabriele Scherndl

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„Österreich“ bleibt auf Flüchtlingskosten sitzen

1,82 Milliarden Euro – so viel sollen uns die Flüchtlinge laut „Österreich“ heuer kosten. Klingt nach viel Geld, ist es auch. Allerdings basiert die Zahl auf einer Milchmädchenrechnung, die schlicht nicht aufgeht.

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„Österreich“ vom 12. November

Die Quelle des Boulevardblattes ist das deutsche ifo Institut. Dort erwartet man für Deutschland bei prognostizierten 1,1 Millionen Asylwerbern heuer 21,1 Milliarden Euro Kosten. Und „Österreich“ dachte sich dann einfach: Wenn 1,1 Millionen Asylwerber in Deutschland 21,1 Milliarden Euro Kosten verursachen, dann kosten die 95.000 Asylwerber, die heuer in Österreich erwartet werden, eben 1,82 Milliarden. Die gute Nachricht dabei: „Österreich“ hat den Taschenrechner richtig bedient und eine korrekte Schlussrechnung zustande gebracht, immerhin. Die schlechte: Man kann die Zahlen aus Deutschland nicht einfach so auf Österreich umlegen.

Das bestätigt auf Nachfrage von Kobuk Prof. Gabriel Felbermayr vom ifo Institut. Die Schätzungen der Kosten der Flüchtlingskrise seien naturgemäß sehr ungenau. Eine Umlegung 1:10 für Österreich erhöhe die Ungenauigkeit noch. Weiters erklärt er:

„Die von uns genannten 21. Mrd. beziehen sich auf die Kosten, die die in 2015 erwarteten 1,1 Millionen Flüchtlinge in ihren ersten 12 Monaten in Deutschland verursachen. Es sind nicht die Kosten, die 2015 anfallen.“

Wie viel die Flüchtlinge Österreich heuer tatsächlich kosten werden, lässt sich derzeit nicht genau sagen. In der vorliegenden Budgetmeldung an die EU erwartet das Finanzministerium für 2016 „nur“ Kosten von einer Milliarde Euro – für die Grundversorgung und Integrations- und Arbeitsmarktmaßnahmen, inklusive finanziellem Polster. Also nur etwas mehr als die Hälfte von den angeblichen 1,8 Mrd.. Außerdem rechnet das Ministerium vor, dass 2016 für eine Ganzjahresbetreuung pro Asylwerber 10.724 Euro anfallen werden. Multipliziert man diese Summe mit 95.000, fehlen noch immer über 800 Millionen auf die 1,82 Mrd. Euro von „Österreich“. Doch solch eine Rechnung wäre ohnehin nicht aussagekräftig, da nicht jeder Flüchtling 12 Monate in Österreich betreut wird.

Die Sprecherin des Finanzministeriums Michaela Berger antwortet auf die Frage, ob die 1,82 Mrd. bestätigt werden können:

„Die 1,8 Mrd. Euro kann ich nicht nachvollziehen. Ich weiß nicht welche Summen da addiert wurden.“

Auf ihrer Rechnung bleibt „Österreich“ also sitzen.

 

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Die Gier der Medien nach Kim Jong-Un

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Die Welt lacht wieder einmal über Nordkorea. Das diktatorisch geführte Land verliert bei der U20-WM gegen Ungarn 1:5. Kim Jong-Un gefällt das gar nicht und macht daraus kurzerhand ein 98:0. So lautet jedenfalls die vermeintliche Sensation, die uns News.at, oe24.at und Kronehit verkaufen wollen.

Ausgangspunkt der Geschichte ist ein Bild, das vermutlich von der Online-Plattform „9GAG.com“ stammt, auf der vor allem lustige Bilder und Videos geteilt werden. Dort tauchte es etwa 3 Tage nach dem Match am 1. Juni auf.

9gag

Daraufhin verbreitete es sich auf den sozialen Netzwerken, von wo aus es von internationalen und heimischen Medien übernommen wurde.

Gräbt man jedoch noch tiefer, stellt sich heraus, dass das Bild bereits zwei Jahre alt ist. Auf dieser Version von 2013 fehlen die 98 Tore. Laut dem dazugehörigen Bericht handelt es sich um einen Screenshot des nordkoreanischen TVs vom 12.2.2013, auf dem ein Nachrichtensprecher über Nuklearwaffentests des Landes informiert.

This screen grab taken from North Korean TV on February 12, 2013 shows an announcer reading a statement on the country's nuclear test.  North Korea on February 12 staged its most powerful nuclear test yet, claiming a technological breakthrough with a "miniaturised" device in a striking act of defiance to global powers including its sole patron China.   AFP PHOTO / NORTH KOREAN TV           -----EDITORS NOTE --- RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT " AFP PHOTO / NORTH KOREAN TV" - NO MARKETING NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS -----

This screen grab taken from North Korean TV on February 12, 2013 shows an announcer reading a statement on the country’s nuclear test. North Korea on February 12 staged its most powerful nuclear test yet, claiming a technological breakthrough with a „miniaturised“ device in a striking act of defiance to global powers including its sole patron China.

 

Das Bild scheint gut für satirische Zwecke geeignet zu sein, denn auch die Tagespresse verwendete es  bereits 2014 für einen Artikel über ein nordkoreanisches Wahlphänomen.

Auch die Krone und die Kleine Zeitung scheinen zuerst auf das Fake-Bild hineingefallen zu sein, haben ihren Fehler aber schon bemerkt und die Artikel gelöscht.

krone ohnee kleine zeitung

Dieses Beispiel zeigt wieder einmal, wie gierig sich westliche Medien auf solche irrationalen Berichte aus Nordkorea stürzen. Diese passen hervorragend in das Bild des größenwahnsinnigen Diktators, das sich so gut verkaufen lässt. Faktenkontrolle wird dabei überbewertet.

 

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Kot im Bart: Dreckige Recherche der Medien

Kürzlich machte eine vermeintliche Sensation in internationalen und auch österreichischen Medien die Runde. So behaupten „buzz.oe24.at“, „heute.at“, die Online-Ausgabe der „Bild“ und viele internationalen Medien, dass so mancher Bart ekliger und dreckiger als Toiletten sei. In Online-Artikeln von „Heute“ und „Bild“ ist sogar die Rede davon, dass in Bärten Spuren von Kot enthalten sei. Wie sich herausstellt, ist das Unfug.

Bart

Die Meldungen gehen auf ein Experiment des US Senders KOAT Action News 7 zurück. Dort wurden bakterielle Proben aus den Bärten von zufällig ausgewählten Männern analysiert. Laut Ergebnis wurden teilweise Bakterien, die unter anderem im Darm zu finden sind, auch in den Bart-Proben gefunden. Einige Medien setzen dann diese Bakterien mit „Spuren von Kot“ gleich. Das ist so allerdings nicht richtig.

Im Video des Senders erklärt der leitende Mikrobiologe, dass es sich hierbei um Enterobakterien handelt. Enterobakterien kommen so gut wie überall vor. Im Kot, auf dem Boden, auf der Haut, im Bart oder auf dem Gerät mit dem du diesen Artikel gerade liest. Deswegen hast du aber noch lange kein Kot auf deinem Smartphone oder Tablet. Diese Bakterien sind also allgegenwärtig und sie mit Kot gleichzusetzen, wie es zum Beispiel „Heute“ macht, ist unsinnig:

„So befinden sich Mikrobiologen zufolge im Bart eines Mannes mehr Bakterien als auf einem Klo, darunter sogar Spuren von Kot.“

Ob dieses Experiment wissenschaftlichen Kriterien standhalten würde ist fraglich. Ein Gegen-Experiment mit Proben von der Gesichtshaut von glattrasierten Personen wurde vom US-Sender KOAT Action News 7 jedenfalls nicht durchgeführt.

Auch in BILD, Heute.at, International, Medien veröffentlicht | Kommentare geschlossen