Kategorien-Archiv: Starker Kobuk

Wie die „Krone“ für Spar ein Bundesland unter Druck setzt

Die Salzburg-„Krone“ hat in den letzten Monaten massiv Druck auf die Politik ausgeübt — mit einer Kampagne, die ihresgleichen sucht. Deren Hauptnutznießer ist die Spar-Gruppe, einer der größten Werbekunden der Kronen Zeitung.

„Jedes Bundesland würde sich glücklich schätzen, hätte es einen Europark, der mit dem Ausbau hunderte neue Jobs … schaffen will. Wer dies verhindert, treibt viele Familien in Verzweiflung und finanzielle Not.“

(Die „Krone“ über Shoppingcenter-Ausbaupläne von Spar)


Allein im ersten Quartal 2015 buchte Spar rund ein Fünftel aller ganzseitigen Inserate der Salzburg-„Krone“. Bei überregionalen Schaltungen entspricht das einem Listenwert von über 2,5 Millionen Euro.

Man ahnt die wirtschaftliche Machtposition gegenüber dem „unabhängigen“ Kleinformat. Anders ist kaum zu erklären, wie die „Krone“ in Salzburg den Streit um die Erweiterung des Spar-Einkaufszentrums Europark „journalistisch“ begleitet.


Eine Chronologie:

8. Jänner — Das schönste Einkaufszentrum der Welt

Die „Krone“ preist das Engagement der Konzerne für unser aller Wohl, Spar für gemeinsame Kämpfe und den Europark als „schönstes Einkaufszentrum der Welt“:

Der Europark wurde natürlich nie zum schönsten Einkaufszentrum der Welt “gekrönt”. 2007 erhielt er lediglich vom globalen Lobbyverband der Shoppingcenter einen Designpreis. Dieser nicht allzu exklusive Award ging im selben Jahr noch an sieben (!) andere Einkaufszentren (PDF). Im Gegensatz zur “Krone” wirbt der Europark auch “nur” mit “schönstem Shoppingcenter Europas”. Dabei beruft er sich übrigens auf ein 18 Jahre altes Architekturmagazin.

 

10. Februar — Diktaturen und Ausgangssperren

Um die Ortskerne zu stärken stoppt das Land Salzburg vorläufig alle Erweiterungspläne von Einkaufszentren. Die endgültige Entscheidung wird im April folgen. Die „Krone“ bringt ein doppelseitiges Interview mit den „starken Argumenten“ ihrer Anzeigengroßkunden Spar und XXXLutz gegen diese Maßnahme:

(Für Komplettansicht Ausriss anklicken)

 

Subtil verfeinert mit einem Kommentar, der diese politische Entscheidung mit „elenden Diktaturen“ und „totalen Ausgangssperren“ in Verbindung bringt:

 

11. Februar — Warnung vor dem Kommunismus

In der Sache wenig Neues, aber die Redaktion muss noch dringend eine Warnung loswerden. „Es geht Richtung Kommunismus“ in Salzburg — :

 

15. Februar — Die Politik darf Stellung beziehen

Niemand sage der „Krone“ einseitige Berichterstattung nach und in Interviews keine kritischen Fragen zu stellen. Daher heute ein großes Interview mit der verantwortlichen Landeshauptmann-Stellvertreterin und Raumordnungsreferentin:

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17. Februar — Vor dem Fasching

Niemand sage der „Krone“ zu viel Nähe zu den Objekten ihrer Berichterstattung nach. Daher beschränkt sich der Hinweis auf das Faschingsfest im Europark auf das Allernötigste: Nur eine rechte Seite, zwei unscheinbare Bilder und neutral distanzierte Formulierungen wie „das beliebteste Shopping-Center von Salzburg“ dokumentieren die Unabhängigkeit der Kronen Zeitung von ihren Inserenten:

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18. Februar — Nach dem Fasching

Es ist eine Unsitte am Boulevard, Themen zu verheizen und sich dann nicht mehr um sie zu kümmern. Die „Krone“ ist mit ihrer Nachberichterstattung zum Fasching im Europark eine löbliche Ausnahme. Und das süße Werbemodel hat vermutlich nur einen Krapfen gekostet:

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20. Februar — Spar Titelstar

Alte Regel am Boulevard: Die Seite eins verkauft das Blatt. Daher stehen hier immer klar verständliche Botschaften zu jenen Themen, die das Volk bewegen — außer man möchte jemandem eine Freude machen:

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Das Neue am Kommentar von „Jedermann“ ist heute das „Neo“, das er vor den Kommunismus setzt:

 

21. Februar — „Geben Sie Einkaufsfreiheit!“

Mittlerweile gemahnt die unabhängige Berichterstattung der Kronen Zeitung an eine Gehirnwäsche-Dauerschleife im Homeshopping-TV. Der Kommunismus trägt heute die Vorsilbe „Krypto“:

 

„Sir, geben Sie Gedankenfreiheit!“ lautet ein berühmtes Zitat aus Schillers „Don Carlos.“

Ich möchte es abwandeln […]: „Frau Dr. Rössler, geben Sie Einkaufsfreiheit!“

 

 

22. Februar — Susanne fühlt sich wohl

Heute eine sympathische Wohlfühlreportage aus dem Herzen des Europarks.

 

6. März — „Alle gegen die Rössler“

Die Politikerin, die Familien „in Verzweiflung und Not treibt“, kriegt jetzt auch eine Doppelseite, ohne extra zu bezahlen. Nur der Werbewert ist bei Spar-Doppelseiten irgendwie höher:

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Die Manager des „schönsten Shopping Centers der Welt“ (Bildtext einer unabhängigen Tageszeitung) dürfen endlich ihre Argumente in einem investigativen Interview auf einer Europark-Doppelseite darlegen. Das letzte „Interview“ mit ihnen ist immerhin schon 24 Tage her (siehe weiter oben), und da mussten sie sich den Platz noch mit XXXLutz teilen:

 

 

Und der unabhängige Kommentar warnt vor Skepsis gegen Spar:

Jedes Bundesland würde sich glücklich schätzen, hätte es einen Europark, der mit dem Ausbau hunderte neue Jobs […] schaffen will. Wer dies verhindert, treibt viele Familien in Verzweiflung und finanzielle Not.

 

 

7. März — Und wieder ein Interview

In Salzburg hat es sich herumgesprochen: Jeder, der für Spar ist, bekommt in der Kronen Zeitung „das große Interview“. Das letzte zu diesem Thema liegt ja auch schon wieder einen ganzen Tag zurück. Heute: Der Gewerkschaftschef.

Und die gute Nachricht für alle Fans der gepflegten Kommunismus-Kommentare: Die rote Gefahr ist zurück.

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10. März — Mailand war gestern

Die fetzigen Shops im Europark haben eine sensationelle Modeschau ihrer neuen Kaufkollektionen auf die Beine gestellt. Die „Krone“ war live vor Ort hat sich vom Center-Management Bilder schicken lassen (“Fotos: Europark/Wild & Team”) und berichtet in angemessenem Ausmaß. Seither ist es Traum aller Mädchen einmal im Europark für ein großes Label zu laufen:

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12. März — Doppelt hält besser

Das Redaktionssystem der Salzburger „Krone“ ist inzwischen neu konfiguriert. Sobald in einem Artikel der Begriff „Europark“ oder „Spar“ aufscheint, wird das Layout vollautomatisch auf Doppelseite umgestellt. Außerdem werden großformatige Fotos von Gebäude und Management eingefügt. Eine enorme Arbeitserleichterung:

 

21. März — Ganz ohne Kommunismus

Wieder ein ganzseitiger Artikel für den Ausbau. Diesmal aber zurückhaltender und seriöser als gewohnt. Neuer Stil der Redaktion? Nein, es handelt sich um ein offizielles Inserat von Spar:

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9. April — Hausverstand statt Studie

Die Politik präsentiert eine Studie, die „Krone“ ist wenig beeindruckt. Der Witz an der Geschichte: Vermutlich das einzige, wofür Spar hier gezahlt hat, ist das Mini-Inserat mit Sepp Forcher auf Seite 27:

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Die „Krone“ empfiehlt, statt Studien den Hausverstand zu bemühen (eigentlich Domäne von Billa):

Die laut Kronen Zeitung „lächerlich kleine Umwandlung von Lagerräumen“ ist in Wahrheit übrigens eine Erweiterung um satte 11.300 m², knapp ein Drittel der derzeitigen Verkaufsfläche und fast so viel wie die letzte Erweiterung „Europark II“ mit 12.250 m².

Freche Reporter könnten da den Spar-Chef ja mal fragen, wie er es heute mit seinen Beteuerungen von 2005 hält:

Es ist kein Ziel, immer wieder auszubauen, sonst wird es eine Gstätten und ein kommerzieller Misserfolg. Wir wissen, wann es genug ist.
(Spar-Chef Gerhard Drexel, Salzburger Nachrichten 25.01.2005)

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10. April — „Verhöhnung von Joblosen“

Die Kronen Zeitung bemüht sich um eine Versachlichung der komplexen Debatte. Immerhin hätte sie auch schreiben können: „Wer gegen den Europark ist, quält auch kleine Hundebabys.“ Außerdem verstärkt sie ihre Kampagne gegen die Autoren der Studie, die dem Ausbaustopp mit zugrunde lag:

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15. April — Das Wunder von Salzburg

Die Landesregierung hält geschlossen dem monatelangen medialen Dauerfeuer stand. Die Dreierkoalition aus ÖVP, Grünen und Team Stronach lehnt sechs große Erweiterungen von Einkaufsflächen endgültig ab. Für die erfolgsverwöhnte „Krone“ steht sprichwörtlich die Welt Kopf:

 

Über ihr Krone-versum hat sie aber noch Kontrolle und so kommen auf drei Seiten Bericht im Blattinneren ausschließlich empörte Gegner dieser „willkürlichen“ Entscheidung zu Wort:

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16. April – Jetzt erst recht

Die Politik hat entschieden, aber es ist noch lange nicht vorbei:

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In ihrem Kommentar sieht sich die „Krone“ in einer Art Schicksalsgemeinschaft mit Spar:

„Erfolg ist ja das Letzte, das einem in Österreich verziehen wird“, meinte ich bei unserer „Krone“-Gala im Hangar 7.

Und wer hielt bei besagter Gala vor fünf Monaten freundlich die Jubiläumsausgabe der Salzburger Kronen Zeitung in die Kamera? Richtig, der Vorstandsvorsitzende des Milliardenkonzerns Spar „und Gattin Andrea“:

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Alles eine große Familie.

 

17. April – Die Kampagne gegen die Studie geht weiter

Am 14. April zeigte sich Spar in einer großen Presseaussendung über Gefälligkeitsjournalismus „über Gefälligkeitsgutachten schockiert“. Drei Tage später stehen die Kerninhalte der Spar-Aussendung auf dem „Krone“-Titelblatt samt doppelseitiger „Aufdecker-Story“. Ergänzt um eigene Recherchen, die sensationell enthüllen, dass die Studienautoren nicht zum ersten Mal ein Shoppingcenter kritisch beurteilt haben:

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Der Erfinder der amerikanischen Shopping-Mall, wie wir sie kennen, war übrigens ein Österreicher. Der in die USA emigrierte Victor Gruen meinte zu dem Thema:

„Ich werde immer wieder der Vater der Shopping Mall genannt. Ich möchte die Gelegenheit nützen, diese Vaterschaft zurückzuweisen. Ich weigere mich, Alimente für diese Bastardprojekte zu zahlen. Sie haben unsere Städte zerstört.“

 

18. April — Die Opposition wird eingespannt

Die „Krone“ hat einen Oppositionspolitiker in den Europark geleitet begleitet, um die Expansions-Argumente der Spar-Presseabteilung noch einmal in Zeitungsform zu gießen. Darunter glänzt ein Interview des Spar-Chefs mit investigativen Fragestellungen:

Herr Dr. Drexel, was stört Sie am meisten? […] Braucht der Europark die Erweiterung wirklich so dringend? […] Wie geht es jetzt weiter?

Und die Chefredaktion beklagt den politischen Einfluss eines „Papierls“ — sie meint nicht ihr eigenes.

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19. April — Diktat der Konzerne

Das ist eigentlich eine „Krone“-Schlagzeile zu TTIP — aber die muss einfach hier rein:

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Eine Seite nach ihrem „Nein zum Diktat der Konzerne“ schreibt die „Krone“:

[Erweiterungsgegner] möchte[n] das Rad der Zeit zurück drehen und die wirtschaftliche Entwicklung in Salzburg wie im Kommunismus regeln. […] Die rapide Entwicklung von Einkaufszentren kann nicht als Flächenwahn bezeichnet werden. Und der Europark des […] SPAR-Konzerns zeigt es vor wie Umwelt-Anliegen erfüllt werden […] Lasst den Europark und das Outlet ausbauen!

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Auf den Folgeseiten schalten dann sowohl die Grünen als auch Spar teure ganzseitige Inserate, um ihre Sicht darzulegen:

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Man kann’s auch so sehen: Die „Krone“ gewinnt immer.

 

Ausblick

Die Schlacht wird wohl weitergehen. Aufgabe der Medien wäre es jedoch, sachlich und frei von Eigeninteresse zu berichten. Den demokratischen Prozess zu unterstützen, indem sie den Beteiligten ein faires, öffentliches Forum bieten, zu dem der Zugang nicht über die Anzeigenabteilung erfolgt.

Die Realität sieht nicht nur in Salzburg anders aus. So haben im Februar deutsche Konzerne (!) eine Initiative gestartet, um die beängstigende Einflussnahme, die ihnen Medien erlauben, freiwillig zu beschränken. Der Vorsitzende dazu:

Unternehmen können heute in einem Ausmaß redaktionelle Berichterstattung kaufen, wie das früher völlig undenkbar war. Und sie machen davon Gebrauch.

 

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Dschihad im Gemeindebau? Die dramatischen Folgen einer „Heute“-Falschmeldung

Einige erinnern sich bestimmt noch an die „Heute“-Story von den vermeintlichen Dschihadisten im Gemeindebau, die wir kürzlich auf Facebook hatten:

HEUTE, 19.2.2015, S1

„Heute“ versucht laut Eigenwerbung zwar, schlechten Journalismus wegzulassen, aber wenn er schon mal da ist? Von loslassen war nicht die Rede. Und so wurde diese Falschmeldung am nächsten Tag nicht nur nicht korrigiert, sondern sogar noch ein Artikel nachgelegt:

HEUTE, 20.2.2015, S8

Das Perfide: Auch die „Heute“-Redaktion wusste zu diesem Zeitpunkt bereits nachweislich, dass für die Polizei praktisch kein Terrorverdacht mehr vorlag. Dennoch behauptete das Gratisblatt wider besseres Wissen weiterhin, es handle sich um eine „Dschihad-Wohnung“ und die Polizei sei darin auf „Terrormaterial“ gestoßen. Dazu noch ein Foto vom „Tatort“-Gemeindebau. Dort gab’s zwar nie eine Tat, dafür aber in „Heute“ die genaue Adresse (inkl. Stockwerk!) der unschuldig Terrorverdächtigten.

Welche dramatischen Folgen diese Art von „Journalismus“ für die drei jungen Männer hatte, hat das ORF ZIB-Magazin gestern in einem bemerkenswerten Beitrag aufgezeigt:

Kurzfassung:
Einer hat den Job verloren. Die Wohnung wurde gekündigt. Der Briefkasten beschmiert. Die unmittelbare Wohnumgebung mit Parteiflugblättern aufgestachelt.

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Wer nach solchen Erlebnissen noch friedvoll bleibt, der muss schon stark im Glauben sein.

 

PS: Dominik Lagushkin hat in seinem Blog eine äußerst lesenswerte Chronologie der Ereignisse zusammengestellt.

PPS: Kurier und Profil haben die jungen Männer bereits einige Tage vor der ZIB besucht und Artikel mit weiteren interessanten Details veröffentlicht.

PPPS:
Guter Journalismus beginnt damit, dass man schlechten weglässt. ("Heute", Eigenwerbung)

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Krone macht traumatisierte Mutter zur „tobenden Türkin“

Eine Frau verliert ihren Sohn. Sie geht wenig später zu einem Krippenspiel in die Schule ihres Enkels und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Die „Kronen Zeitung“ macht daraus diesen menschenunwürdigen Artikel:

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Eine „tobsüchtige Türkin“ habe mit wildem Geheule das Krippenspiel einer christlichen Schulklasse gestört. Ihre Tochter und ihr Mann sollen sogar noch „in das Geheule“ eingestimmt haben. Erst „hünenhafte“ Polizisten mit „gezückten Pfeffersprays“ konnten „das Trio“ wieder unter Kontrolle bringen.

Ein Brief (Volltext) der Schuldirektorin an die Eltern, den diese uns gegenüber telefonisch bestätigte, lässt die ganze Sache in einem anderen Licht erscheinen: Der Vater eines der Schüler war vor wenigen Wochen bei einem Unfall gestorben. Die Großmutter des Schulkindes, also die Mutter des kürzlich Verstorbenen, besuchte an jenem Abend das Krippenspiel. Die trauernde Frau habe die Klasse in einem Moment betreten, in dem eine Lehrerin kollabierte. Das habe bei der Frau einen Schock ausgelöst. Sie habe einen Nervenzusammenbruch erlitten, die Rettung brachte sie ins Krankenhaus.

Aus dem Brief:
lutherschule

Die Frau „platzte“ nicht in die Vorbereitungen des besinnlichen Krippenspiel: Sie war schlichtweg eingeladen – wie alle anderen Eltern und Großeltern auch. Warum die Frau einen Nervenzusammenbruch hatte, erwähnt die „Krone“ mit keinem Wort.

Der Artikel der „Krone“ blendet den Kontext aus und beleuchtet ausschließlich den Vorfall des Zusammenbruchs. So völlig losgelöst und verdreht mutet die Szene merkwürdig an. „Aber jederzeit wäre es möglich gewesen, Unklarheiten über die Direktion zu klären“, wird im Brief betont – diese Bemühungen wurden offensichtlich nicht unternommen:

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Stattdessen trägt der Artikel beliebig Elemente – von Schleier über wildes Geheul bis zur rettenden Rolle einer „hünenhaften“ Polizei – zusammen, die auf Kosten einer trauernden Familie und einer Schulgemeinschaft ein Feindbild befeuern.

Update:

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„Österreichs“ falsches Terror-Testimonial

Bis auf das Gesicht verschleiert, ein arabischer Schriftzug auf dem Stirnband, schwer bewaffnete, vermummte Gestalten im Hintergrund: Die Tageszeitung „Österreich“ zeigt in letzter Zeit wiederholt ein Bild, das scheinbar die junge Wienerin Sabina S. als Kämpferin des Islamischen Staates darstellt. Die Fünfzehnjährige war vergangenen April mit ihrer Freundin Samra K. (17) aus Wien aufgebrochen, um sich in Syrien der Terrormiliz anzuschließen. Blöd nur, dass es sich bei der Frau auf dem Bild gar nicht um Sabina S. handelt. Das Foto hat auch sonst rein gar nichts mit dem IS zu tun.

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„Österreich“ gibt „Privat“ als Quelle des Fotos an. Tatsächlich gehört das Bild einem Reuters-Fotografen und lässt sich zumindest bis zum Februar 2013 zurückverfolgen – bis zu einer Zeit also, als Sabina in Wien noch brav in die Schule ging. Auf dem Foto zu sehen ist daher auch nicht sie, sondern eine syrische Rebellin namens Umm Dschafar. Diese kämpfte damals für eine weibliche Brigade der Freien Syrischen Armee, also in Wahrheit für die Gegner des IS. Auch die britische Daily Mail oder Huffington Post UK zeigen das Foto und behaupten, es zeige Sabina.

Die Bildmanipulation passt gut zu einer Berichterstattung voller Gerüchte und Spekulationen, mit der das Schicksal der zwei Mädchen seit Monaten breitgetreten wird. So mutmaßte man in der Vergangenheit schon über Tod und Schwangerschaft der Mädchen. „Österreich“ brachte zudem eine sehr umstrittene Story über eine angeblich geplante Flucht zurück nach Wien – eine Story, die gleichzeitig nicht unerhebliche Risiken für die Mädchen birgt.

In einem zweifelhaftem Chat-Interview mit einem Pariser Magazin meldete sich Sabina S. selbst zu Wort und stritt diese Gerüchte ab. Für „Österreich“ wiederum war klar, dass das Mädchen dazu genötigt wurde und nun als Sprachrohr der Terroristen dienen muss: Man titelte mit „Dschihad-Mädchen wird Terror-Testimonial“. Dass das Boulevard-Blatt dazu dann als Untermalung ein falsches Bild einer unbeteiligten syrischen Rebellin verwendet, zeigt, mit welchen Mitteln „Österreich“ die eigenen Spekulationen untermauern will.

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„Krone“ zündelt mit unwahrer Titelstory gegen Asylwerber

Es war die „Krone“-Schlagzeile der Woche in Salzburg und wurde auf der Facebook-Seite von FPÖ-Chef Strache umgehend zum meistgeteilten Posting des Jahres:

Salzburger Mindestrentnerin muss aus
Wohnung raus, weil Asylwerber kommen

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Einer 72-jährigen Mindestrentnerin sei also laut Kronen Zeitung völlig überraschend die Wohnung gekündigt worden. Sie müsse jetzt bis Ende April 2015 räumen, damit Asylwerber einziehen können.

Die schäbige Motivation des Wohnbauträgers ist für die „Krone“ als Kennerin der Asylpolitik und der Wohnungsvergabe klar:

Für Kenner der Asylpolitik und der Wohnungsvergabe ist die Sache klar: Pro Asylwerber gibt es 19 Euro vom Bund, […] in einer Wohnung sind es dann 2300 bis 3000 Euro im Monat für den Vermieter — in diesem Fall für die Wohnbauträger.

Das „Dumme“ nur, die Dame muss gar nicht aus der Wohnung raus: Bereits im August war auf Ersuchen ihres Sohnes eine Verlängerung des Mietvertrags zustande gekommen. Der „Krone“-Redakteur wusste das, drehte es aber für den flüchtigen Leser so, als sei diese Zusage erst nach seiner Anfrage aus Kulanz erteilt worden.

Der Mietvertrag war auch nie gekündigt worden: Er war von vornherein auf drei Jahre befristet und sollte 2015 ganz normal auslaufen. Die Wohnung war der Frau dem Vernehmen nach als Übergangslösung zur Verfügung gestellt worden, nachdem sie als Hausbesorgerin im Bereich ebenjener Wohnbaugesellschaft in Rente gegangen war.

Und es kann nicht um das Geld für Asylwerber gehen: Die betreffende Wohnung ist Teil eines speziellen Pools von Startwohnungen für bereits anerkannte Flüchtlinge (nicht Asylwerber). Diese müssen ein Dienstverhältnis nachweisen und ihre Miete selbst bezahlen. Womit das von der Kronen Zeitung unterstellte Abgreifen von Asylgeldern durch die Wohnungsgesellschaft hinfällig wäre.

Das legen jedenfalls die ausführlichen Stellungnahmen von Wohnbaugesellschaft und Diakonie nahe. Das Perfide: Diese Klarstellungen enthalten keine Information, die dem „Krone“-Redakteur — der übrigens auch schon für diese Bettlerhetze verantwortlich zeigte — nicht schon vor Veröffentlichung seiner stürmerischen Schlagzeile hätte bekannt sein müssen.

Aber mit der Headline …

Frau möchte in Startwohnung für Flüchtlinge bleiben.
Befristeter Mietvertrag auf Bitte des Sohns verlängert.

… lässt sich halt schwer gegen Asylwerber und Flüchtlinge Stimmung machen.

Tag 2: „Krone“ vs. Realität

Wie sehr die Realität der Kronen Zeitung manchmal ungelegen kommt, merkt man an der Fortsetzung der Geschichte, die bereits am Vortag groß angekündigt worden war:

In Salzburg jetzt aufgedeckt:
Zweihundert Wohnungen an Flüchtlinge

Es lässt sich nur mutmaßen, aber wahrscheinlich war eine große „Aufdeckerstory“ über Asylwerber geplant, die Österreichern geförderte Wohnungen wegnähmen. Das „aufgedeckt“ ist trotzig auf der Titelseite verblieben, wirkt mangels Missstand aber seltsam verloren und deplatziert.


Der Artikel im Blattinneren ist dann auch weniger mit Aufdecken beschäftigt, als mit wortreichem Zudecken und Nachreichen der unterschlagenen Fakten in der Falschmeldung vom Vortag.

Da heißt es gleich eingangs, bemerkenswert umständlich und trotz Kürzungen nahezu unlesbar:

2014-09-05_S18_Sbg_Krone_aufgedeckt_FaksimileDer Fall der […] Pensionistin […], die […] nach dem auf drei Jahre befristeten Vertrag die Wohnung wieder räumen hätte sollen, hatte — wie schon berichtet — ein zumindest vorläufig gutes Ende. Frau Z. wurde nach dem Schreiben vom 11. August (die „Krone“ druckte es am Donnerstag ab), dass man die Wohnung dringend für Flüchtlinge brauche — innerhalb einer Woche (am 19. August) per mündliche [sic!] Zusage für drei Jahre verlängert.

So liest es sich, wenn die Rechtsabteilung neben dem Redakteur sitzt.

Auch in Jenseitiges, Krone.at, Kronen Zeitung veröffentlicht | Kommentare geschlossen

NEWS beugt sich dem Machtfaktor Raiffeisen

NEWS.at hat am Montag einen bemerkenswert kritischen Artikel über Raiffeisen veröffentlicht. Wenige Stunden später war dieser aber nicht mehr auffindbar. Der Autor bestätigte uns gegenüber nur, dass der Artikel online war, wollte jedoch keine weitere Stellungnahme abgeben. Laut einem Verlagsinsider, der ungenannt bleiben möchte, wurde der Artikel nach einer Intervention der NEWS-Verlagsleitung bei der Chefredaktion entfernt. Der NEWS-Verlag steht zu 25,3 % im Eigentum von Raiffeisen/Kurier.

Machtfaktor Raiffeisen

Wie konnte aus einer kleinen Selbsthilfegruppe verarmter Landwirte die mächtigste und größte Firmengruppe des Landes werden? Dieser Frage gingen die Autoren Lutz Holzinger und Clemens Staudinger in ihrem „Schwarzbuch Raiffeisen“ nach und trugen dabei akribisch Informationen über den Großkonzern zusammen, die diesen nicht immer im besten Licht darstellen. NEWS.AT sprach mit den Autoren über ihr Buch und Raiffeisen.

In dem Beitrag (hier eine gerettete Textversion) wurden die Machtstrukturen von Raiffeisen beleuchtet. Quasi-Monopole zum Nachteil von Produzenten und Konsumenten, öffentlich kaum beachteter Einfluss auf bekannte Unternehmen, Verflechtungen mit Medien und Politik. Bis hin zu Tricks, die der Bank eine sagenhafte Steuerquote von tlw. nur 1 % bescheren, indem sie die Steuerzahler für Expansionsverluste im Ausland mitzahlen lässt.

Vom neuen Raiffeisen-Chef Erwin Hameseder ist übrigens im Monatsmagazin „Datum“ dieses Zitat überliefert:

Ein Eingreifen direkt bei den Redakteuren gibt es bei mir nicht, das hat auch Christian Konrad nicht gemacht. Ich spreche mit den Führungspersonen, also Herausgebern und Chefredakteuren. Die gehen dann damit um.

 

Update:

Die APA hat sich der Sache angenommen und auch Axel Bogocz, den Geschäftsführer von News-Verlag und News.at, erreicht (hier der Artikel in der „Presse“). Der Artikel sei gelöscht worden, weil er „unseren journalistischen Standards nicht genügt“ habe:

Wenn man den Autoren von ‚Schwarzbuch Raiffeisen‘ so viel Platz für ihre Thesen zum Unternehmen Raiffeisen einräumt, gebietet es die journalistische Fairness, auch einmal die Standpunkte der Raiffeisen dazu zu hören.

Warum man der Raiffeisen nicht in einem zweiten Interview Möglichkeit gegeben hat, ihren Standpunkten Gehör zu verschaffen, anstatt das erste Interview zu löschen, erläuterte Bogocz nicht. Warum sich statt der Chefredaktion die Verlagsleitung um die Einhaltung journalistischer Standards kümmert, ebensowenig. Falter-Chefredakteur Florian Klenk dazu auf Twitter:

 

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