Wir lesen Zeitung
und schauen fern.

„Fast 38.000 Beamte im Dienst verletzt“, diese schockierende Zahl titelte die Kronen Zeitung am Freitag. Und das ist allein schon deshalb erstaunlich, weil das um 8.000 Polizisten mehr sind, als es in ganz Österreich gibt.

Tief im Blattinneren löst sich dann für aufmerksame „Krone“-Leser des Rätsels erster Teil: die beiden Redakteure haben schlicht alle verletzten Polizisten bis zurück ins Jahr 2000 (!) addiert — ebenso gut hätten sie bis Metternich gehen können, aber das wäre wohl doch zu sehr aufgefallen:

Das Aufsummieren über eine willkürliche Anzahl Jahre ist statistisch eine eher nutzlose Übung, hat aber den Vorteil, dass es zu einer beeindruckenden Zahl führt, die auch praktischerweise immer nur steigen kann. Der Kronen Zeitung gefällt dieser Trick so gut, dass sie ihn nun regelmäßig bringt. Hier, vor vier Monaten, der selbe Polizeialarm, die gleiche Grafik, nur Beipacktext und Zahlen unterscheiden sich:

Kobuk-Basteltipp: Grafik ausschneiden und sammeln. Am Ende des Jahres geht sich vielleicht ein Daumenkino aus.

Der Täuschung zweiter Teil

Wer nun dem Rest der Schlagzeile vertraut und glaubt, dass diese 38.000 dann immerhin „im Dienst“ Opfer von „Gewalt gegen Polizisten“ geworden seien, geht der „Krone“ erneut auf den Leim. Denn diese Zahl enthält zur Hälfte auch all jene Beamten, die sich im Dienst ganz „normal“ verletzt haben oder wie es im Februar die Oberösterreich-„Krone“ noch fast häretisch formulierte:

Hälfte ist selbst schuld

[…] Dabei geht die Gefahr aber in kaum 50 Prozent von irgendwelchen bösen Buben aus, mit denen die Beamten sich herumschlagen müssen. Öfter verletzen sie sich beim Sport oder im Dienstalltag.

 

Was bleibt von der Schlagzeile?

Wenn man die Kampagnen-Hysterie abzieht, bleiben von den 38.000 Übergriffen auf der Titelseite ca. 1.100 im letzten Jahr. Knapp 90 Prozent davon waren leichte Verletzungen und ca. jeden dritten Tag wurde ein Polizist wegen einer Amtshandlung schwer verletzt.

Und ja, die absolute Zahl steigt. Das könnte zum Teil aber auch strukturelle Gründe haben:

 

Was macht die Kronen Zeitung hier?

Was wir in der „Krone“ zum Thema Polizei lesen, ist kein Journalismus. Es ist die ungefilterte Position des Innenministeriums, der Polizeigewerkschaft und einer Redaktion, die von exklusiven Geschichten aus diesen Quellen lebt. Eine andere Seite kommt — trotz Doppelseite — nicht vor.

Am Ende dieses Weges werden wir wie selbstverständlich „wissen“, welche Maßnahmen nun absolut nötig, ja längst an der Zeit seien. Und dass es angesichts der Nachrichtenlage geradezu absurd wäre, diese Pläne infrage zu stellen.

Für welche Pläne das Triumvirat aus „Krone“, Kanzler, Vizekanzler hier gerade den Boden bereitet, ist auch kein großes Rätsel mehr:

„… daher braucht es ein Ende der Täter-Opfer-Umkehr.“

„Krone“ gegen „Falter“, das ist ein bisschen wie Simmering gegen Kapfenberg – nur die Fouls sind brutaler. So hat letzten Freitag der „Falter“ eine Geschichte veröffentlicht, die für weltweites Aufsehen sorgte. Da kam auch die Kronen Zeitung nicht am linken „Bolschewiken-Blattl“, wie sie den „Falter“ gerne nennt, vorbei — vorerst jedenfalls …

Hier ein Screenshot der ersten Meldung auf krone.at:

Elf Mal wird der „Falter“ superkorrekt als Story- und Bildquelle erwähnt. Aber am nächsten Morgen, als die Printausgabe der „Krone“ auf die Straße kommt, hat sich die Online-Meldung plötzlich (ohne redaktionellen Hinweis auf eine Überarbeitung) deutlich verändert:

Kein Wort mehr vom „Falter“ (nur einige Leserpostings sind noch Zeugen seiner vergangenen Existenz), dafür gleich nach dem ersten Absatz dieser überraschende neue Hinweis:

Der „Krone“ liegen die Aufnahmen vor – alle Details finden Sie hier.

Der Link führt auf einen Artikel, der noch mal beschreibt, was im Video zu sehen ist. Nur mit einem feinen Unterschied — als Video- und Fotoquelle steht hier nun zwölf Mal: „Krone“. Und diesen fliegenden Copyright-Übergang verdankt sie, will man ihr glauben [wir wollen, siehe Update ganz unten], einem verblüffenden Fund in der eigenen Redaktion:

Gerade noch rechtzeitig vor dem Andruck ist den Blattmachern also eingefallen, dass auch die „Krone“ das Falter-Video von einem „Whistleblower“ zugeschickt bekommen hat. Was ihnen praktischerweise die Verlegenheit erspart, in „ihrem“ Printaufmacher auch nur ein einziges Mal auf die unliebsame Konkurrenz zu verweisen. Wobei, ganz stimmt das nicht, der „Falter“ läuft jetzt unter „anderen Medien“:

Wie konnte die „Krone“-Redaktion das mit dem Whistleblower nur vergessen? Und warum hat sie diesen publizistischen Knüller, der ihr weltweit Beachtung eingebracht hätte, nicht sofort selbst verwertet?

Nun, der „Falter“-Chef und Autor besagter Geschichte hat da auf Twitter so seine eigene Theorie:

 

Update 6. Mai 2018:
Die „Krone“ hat das Video laut „Falter“ auch vom Whistleblower erhalten und „die Story schlicht verschlafen“. Aber zumindest beim Verwischen der „Falter“-Spuren war sie dann hellwach.

Am Samstag haben Rechtsextreme einen italienisch/französischen Alpenübergang symbolisch gesperrt und sich in bewährter Form für medial effektvolle Bilder als Beschützer der Grenze inszeniert. Am nächsten Tag reagierten Linke darauf, indem sie ca. 40 Migranten demonstrativ über den Pass brachten, wobei es zu Rangeleien mit der Polizei kam.

Der französische Innenminister kündigte daraufhin verstärkte Polizeipräsenz an und verurteilte beide Vorfälle als „inakzeptable Aktionen“ von „Ultra-Rechten“ und „Ultra-Linken“ im Grenzgebiet.

Und so informiert die „Krone“ ihre Leser über diese rechten und linken Umtriebe an einem innereuropäischen Alpenpass:

Von Italiens Linken inszeniert - Erneut stürmen Migranten eine europäische Grenze (krone.at, 23.04.2018)

Später im Fließtext wird die rechtsextreme Aktion an der selben Grenze kurz erwähnt, allerdings wie ein isoliertes Ereignis, ohne Hinweis, dass dies der Auslöser für den ganzen „Sturm“ war.

Die knackige Schlagzeile, der Verzicht auf unnötig verwirrende Zusammenhänge und die zurückhaltenden Formulierungen des namenlosen „Krone“-Redakteurs verfehlen ihre Wirkung nicht: Der Artikel ist aktuell mit über 150.000 Aufrufen der meistgelesene auf krone.at:

 

Und während das Social-Media-Team auf Facebook vor „linken Krawallmachern“ erschrickt, …

 

… träumen manche „Krone“-Fans von einer Lösung, die bestimmt viel weniger Krawall erzeugt:

Heiße Schiri-Frau verdreht allen den Kopf, Tennis-Beauty versext ihre Instagram-Fans, So schamlos ist die Nackt-Freestylerin: Headlines wie diese sind Alltag. Die Berichterstattung über Frauen im Sport kann man nicht anders als grob sexistisch nennen, besonders in Boulevardmedien. Qualitätsblätter pflegen zwar einen anständigeren Umgangston, doch gibt es auch dort ein Problem: Frauen kommen in der Sportberichterstattung nur sehr selten vor.

Wie ist der Stand der Dinge?

Um  mir ein klares Bild über die Verhältnisse zu schaffen, beobachtete ich vom 24. bis 31. Oktober 2o17 die Sportressorts der Onlineportale von Die Presse, Der Standard, Heute, Kronenzeitung und Österreich und habe mir dazu zwei Fragen gestellt: Wie oft wird über Frauen im Sport berichtet? Und: Worüber berichten Medien konkret, wenn Frauen aus der Sportwelt im Fokus stehen.

Mediale Aufmerksamkeit

Die erste Frage ist schnell beantwortet: 553 Sport-Berichte habe ich mir quer durch die genannten Medien angesehen, nur durchschnittlich 9 Prozent davon handelten von Frauen (Berichte über Trainerinnen, Expertinnen usw. habe ich mitgezählt). Die meisten Artikel über Frauen gab es in der Presse, im Standard und in der Krone. Doch selbst dort handelte nur in etwa jeder zehnte Text über eine Frau. Frauen sind in der Sportberichterstattung also massiv unterrepräsentiert.

„Heiße Schiri-Frau“ und „Tennis-Beauty“

Die zweite Frage bezieht sich vor allem auf den Boulevard, aber nicht nur: So veröffentlichte etwa die Presse einen Artikel über Anna Gasser, kurz nachdem sie zur Sportlerin des Jahres gewählt wurde, und brachte dazu eine Slideshow mit 20 Fotos. Inhaltlich ging es hauptsächlich um die sportlichen Leistungen, trotzdem lautete der Titel: Anna Gasser – Sportlerin des Jahres mit Modelqualitäten. Einen Artikel über Marcel Hirscher, Österreichs aktuellen Sportler des Jahres, der ohne jeden Zusammenhang und ohne erkenntlichen Grund dessen Aussehen im Titel thematisiert, findet man in der Presse hingegen nicht.

Im Vergleich zu dem, was sich auf den Seiten des Boulevards abspielt, ist das jedoch noch harmlos. Zusammengefasst muss man ein Drittel der Artikel von oe24.atheute.at und Krone.at über Frauen als extrem sexistisch einstufen.

Das beginnt schon in Überschriften, wo Frauen nicht namentlich genannt werden, sondern einen Kosenamen erhalten. Beispielsweise hübsche Blondine (Kristina Mladenovic), Wrestling-Schönheit (Alexa Bliss) oder auch Nackt-Freestylerin (Lisa Zimmermann). Oft rückt die Leistung der Sportlerinnen in den Hintergrund, das Augenmerk liegt dann auf dem Liebesleben, beispielsweise wie bei Mikaela Shiffrin (lüftet Liebesgehemnis!) oder Tina Weirather (turtelt jetzt mit Moderator!). Berichte, die scheinbar die Leistung einer Sportlerin thematisieren, werden zusätzlich durch nackte Haut aufgepeppt.

Über manche Frauen im Sport berichten Medien überhaupt nur dann, wenn sie gut aussehen. So erschien etwa Ende Oktober eine ganze Reihe an Artikeln über Karolina Bojar, eine polnische Schiedsrichterin im Amateurbereich. Der Boulevard nannte sie geschmackssicher „heiße Schiri-Frau“: Diese Schiri-Lady ist der neue Männerschwarm (Krone), Heiße Schiri-Frau verdreht allen den Kopf (Österreich), Sexy Schiri! Nach ihrer Pfeife tanzen die Kicker (Heute) und etliche weitere Artikel erschienen.

Eugenie Bouchard, derzeit auf Platz 116 der Tennisweltrangliste, ist sogar ein Dauerbrenner im Boulevard.  Um Sport geht es dabei selten, berichtet wird vor allem über ihre neuesten Instagram – Fotos. Dabei ist sie nicht die einzige, viele der Berichte über Frauen im Sport werden mit Bildern ihres Instagram-Accounts geschmückt, wie auch bei Lindsey Vonn:

Besispiel eines durch freizügige Fotos aufgepeppten Artikel: „Lindsey Vonn ätzt: Wir sind nur die Pony-Show!“ von krone.at.

Bei Männern ist es völlig selbstverständlich, dass ganz normal über Erfolge und Misserfolge berichtet wird. Bei Frauen kann davon keine Rede sein. Wenn nur jeder zehnte Artikel im Sportressort von Frauen handelt – und jede Menge dieser Artikel alles mögliche thematisieren, nur nicht die sportlichen Leistungen – dann sind wir von medialer Gleichbehandlung noch meilenweit entfernt.

Dem ORF wird regelmäßig politische Manipulation unterstellt, meist zu Unrecht, wie auch die Seethaler-Studie eindrucksvoll zeigte. Doch gestern Abend ging in Tirol Heute ein tatsächlich höchst manipulativer Beitrag auf Sendung: Es wurde der Eindruck erweckt, der Tiroler FPÖ-Spitzenkandidat Markus Abwerzger würde den Nazi-Äußerungen eines älteren Sympathisanten zustimmen. In der Zib13 erfolgte zwar eine Richtigstellung in der Sache, jedoch völlig frei eines Fehlereingeständnisses seitens des ORF.

Im Tirol Heute-Beitrag ist der FPÖ-Sympathisant zu hören, wie er sich unter anderem darüber beschwert, dass man nicht mehr „Stinkende Juden“ sagen dürfe, ohne als Nazi zu gelten. FPÖ-Spitzenkandidat Abwerzger steht nickend neben ihm, eine weitere Reaktion Abwerzgers fällt dem Schnitt zum Opfer. Der Beitrag endet dann mit der Abmoderation „Landtagswahlkampf auf Hochtouren“:

Nach Protesten Abwerzgers auf Twitter sendete der ORF heute in der ZIB13 auch den herausgeschnittenen Teil, in dem zu hören ist, wie er dem Sympathisanten mehrmals mit „Das soll man auch nicht sagen“ widerspricht. Der neben ihm stehende FPÖ-Klubchef Rudi Federspiel sagt zudem „Jeder Mensch hat seine Würde, jeder Mensch hat seine Rechte“. Auch körpersprachlich ist keine Zustimmung mehr zu erkennen:

Nun wird Abwerzger zwar die Gelegenheit gegeben, dem Eindruck der Zustimmung zu den antisemitischen Äußerungen zu widersprechen, und es sind nun auch die herausgeschnittenen Teile zu sehen, aber im Beitrag, den wieder die selbe Redakteurin gestalten durfte, fehlt jegliche Entschuldigung oder Selbstkritik des ORF.

Die schwere Manipulation des Vortrages bleibt unbenannt. Auch Herr Abwerzger kommt mit keiner Kritik am ORF zu Wort. (Ob er diesen in dem Gespräch kritisiert hat, wie ich annehmen würde, habe ich auf Twitter gefragt.)

Zum manipulativen Schnitt kommt also noch unterirdisches ORF-Fehlermanagement. Angesichts der bereits aufgeheizten „Lügenpresse“- und „Staatsfunk“-Stimmung eine kaum vertrauensbildende Vorgangsweise.

 

 

In einem Artikel vom 10. Jänner titelt die Krone, dass beinahe jeder Zweite der kriminell gewordenen Ausländer ein Asylwerber sei. In der Überschrift scheint es so, als ob die 45,9 Prozent dem Sicherheitsbericht entnommen wurden. Die tatsächlichen Zahlen aus dem Sicherheitsbericht 2016 schreiben aber eine andere Geschichte.


Die Krone gibt als Quelle ein Zitat von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache an:

„Wie Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) mitteilte, seien bereits 45,9 Prozent der in Österreich straffällig gewordenen Ausländer Asylwerber.“

Im Artikel eingebetteten Video (ab Minute 01:05) sagt Strache aber etwas ganz anderes, nämlich:

„Aber was signifikant negativ ist, ist, dass mit 45,9 Prozent Aufklärungsquote so hoch wie nie zuvor Asylwerber letztlich den größten Zuwachs bei fremden Tatverdächtigen auch aufzeigen.“

Den größten Zuwachs unter den ausländischen Tatverdächtigen gab es bei Asylwerbern, das stimmt. Die 49,5 Prozent haben aber weder mit Ausländern noch mit Asylwerbern zu tun, sondern beziehen sich auf die Aufklärungsquote aller Anzeigen im Jahr 2016. So steht es auch im Sicherheitsbericht auf Seite 10.

Den echten Anteil der tatverdächtigen Asylwerber unter den Ausländern herauszufinden, ist eigentlich gar nicht so schwer. Die Zahlen aus dem Sicherheitsbericht 2016 bilden Folgendes ab (Seite 21):

2016 war also nur ungefähr jeder Fünfte (21,1 Prozent) ausländische Tatverdächtige ein Asylwerber  und nicht wie von der Krone behauptet fast jeder Zweite (45,9 Prozent). Die Krone hat den Anteil also verdoppelt.

„Als Einbrecher-Hochburg im deutschsprachigen Raum führt Wien das Ranking einer Städte-Studie an. Jeder achtzigste bewohnte Haushalt in der Bundeshauptstadt wurde bereits einmal von einem Einbrecher geknackt.“

Mit diesen beiden Sätzen beginnt ein Artikel der Gratis-Zeitung „Heute“ vom 21. November 2017 zum Thema „Wo die Kriminellen in Wien zuschlagen“. Begibt man sich nun auf die Suche nach der erwähnten Studie – zu der es keine Quellenangabe im Text gibt – wird man doch relativ schnell stutzig, denn die Studie scheint nicht auffindbar.

Man stößt allerdings auf einen Beitrag des Onlineportals trend.at vom 15.08.2012, in dem es heißt:

„Als Einbrecher-Hochburg im deutschsprachigen Raum führt Wien das Ranking der Städte-Studie an. Jeder achtzigste bewohnte Haushalt in der Bundeshauptstadt wurde bereits einmal von einem Einbrecher geknackt.“

Wort für Wort ident mit dem Artikel aus „Heute“. Der Artikel von trend.at bezieht sich auf eine Studie des Online-Portals geld.de aus dem Jahr 2011, die allerdings inzwischen nicht mehr auffindbar ist. Jedoch erfährt man aus einem Artikel der Presse, dass die Zahlen, die der Studie zu Grunde liegen, aus dem Jahr 2009 stammen.

Heute schreibt also nicht nur von trend.at ab, sondern bezieht sich auch auf acht Jahre alte Zahlen.

Kann man nun aber noch immer behaupten, dass Wien die Einbrecher-Hochburg des deutschsprachigen Raumes wäre? Diese Frage kann ganz klar mit NEIN beantwortet werden. Der Vergleich mit beispielsweise Hannover macht sicher:

Im Jahr 2016 gab es in Wien laut Statistik Austria insgesamt 901.900 Privathaushalte, dem gegenüber stehen 6.173 Einbruchsdiebstähle in Wohnungen und Wohnhäuser. Daraus ergibt sich, dass in Wien 2016 in etwa jeden 146. Haushalt eingebrochen wurde, was einen deutlichen Rückgang gegenüber der Zahlen aus dem Jahr 2009 darstellt. Zum Vergleich: in Hannover wurde im Jahr 2016 etwa in jeden 101. Privathaushalt eingebrochen, was einen deutlich höheren Wert als jenen des selben Jahres in Wien darstellt. Das Beispiel Hannover soll nur beweisen, dass Wien nicht die „Einbrecher-Hochburg im deutschsprachigen Raum“ ist und soll nicht heißen, dass diese nun Hannover wäre.

Über die Gründe wieso hier dermaßen schlampig gearbeitet wurde, kann man nur mutmaßen. Betrachtet man die Seite, auf der der Artikel erschien jedoch als Ganzes, beschleicht einen ein Verdacht. Gleich drei Inserate zum Thema Einbruchsprävention scheinen direkt unter besagtem Artikel auf. Ein Schelm, wer böses denkt.

Da wundert es auch nicht, dass „Heute“ verschweigt, dass die Einbrüche in Wien weniger werden (PDF S. 72).

„Österreich“ behauptet, dass fast zwei Drittel einer nicht näher definierten Personengruppe unter Cybermobbing Attacken leiden: „64 Prozent sind Cybermobbing-Oper“. Doch das stimmt nicht.

Österreich Artikel vom 13.10.2017

Woher kommt die hohe Prozentzahl an Cybermobbing-Opfer?

Als Quelle nennt „Österreich“ eine Studie der AK Steiermark. Woher bekannt ist, dass 64 Prozent Cybermobbing-Opfer sind, wird nicht ausgeführt, stattdessen steht im ersten Absatz lediglich:

„64,3 Prozent ­aller Schüler wissen von Cybermobbing-Fällen in ihrem Umfeld.“

Was sagt die Studie also tatsächlich aus? Die AK Steiermark ließ 1.019 steirische Schüler_innen von der Volksschule bis zur Oberstufe zum Thema Cybermobbing und Mobbing befragen. Dabei gaben 64,3 Prozent der Schüler_innen an, Mobbingvorfälle in ihrer Klasse bzw. Schule zu bemerken. „Österreich“ macht also aus allen Schüler_innen, die von Cybermobbing-Fällen wissen, automatisch Cybermobbing-Opfer. Von den 1.019 befragten Schüler_innen gaben jedoch nur 165 Auskunft darüber, selbst gemobbt zu werden. Das sind 16,2 Prozent der Befragten ­– doch ein gewaltiger Unterschied, zu den von „Österreich“ im Titel behaupteten 64 Prozent.

Dazu kommt: Im Rahmen der Studie wurde sowohl Mobbing als auch Cybermobbing behandelt. Daher handelt es sich bei den Ergebnissen nicht nur um Cybermobbing-Opfer speziell, sondern auch um generelle Mobbing-Opfer.

Es sollte ja ein bisschen das österreichische CNN werden. Zumindest hat Wolfgang Fellner den amerikanischen News-Pionier bei Gründung von oe24.TV als eines seiner Vorbilder genannt. Was da allerdings gestern Nachmittag zur österreichischen Nationalratswahl on air ging, lässt uns etwas ratlos zurück. Seht selbst:

Mit Dank an Rudi Fußi, dessen heitere oe24.TVBeobachtungen uns letztlich den Rekorder anwerfen ließen.

Roland Düringer protestiert in einem Facebook-Video „aufs Schärfste gegen die empörend falsche Berichterstattung“ über die Nummer 1 auf seiner Liste „Gilt“, Günther Lassi. Rudi Fussi, der die Liste mit seiner PR-Firma berät, schreibt auf Twitter vom „Ausdruck einer massiven Medienkrise in Österreich“. Stimmt das? Eine Spurensuche.

Tatsächlich hat Günther Lassi auf seiner mittlerweile abgedrehten Website (die sich weiterhin im Archiv der Wayback Machine findet) die antisemitische Hetzschrift „Die Protokolle der Weisen von Zion“ als PDF zum Download angeboten. Und tatsächlich findet sich an anderer Stelle seiner Website auch Wilhelm Reichs Buch „Die Massenpsychologie des Faschismus“. An wiederum anderer Stelle bot Lassi den Text „Esoterische Ufologie und ihre rechtsextreme Schlagseite“ zum Download an, in dem die Protokolle der Weisen von Zion in einem halben Absatz behandelt und als „rassistisch“, „lebensverachtend“ und „unmenschlich“ bezeichnet werden.

Düringer argumentiert daher, Medien hätten zu Unrecht behauptet, Lassi sei Antisemit, und sie würden ihn „vorführen“. Und tatsächlich hat kein Medium in der Berichterstattung erwähnt, dass Lassi neben dem antisemitischen Text auch zwei Texte veröffentlicht hat, die man als antifaschistisch bezeichnen kann. Düringers Frustration über das Licht, in dem Lassi medial erscheint, ist also verständlich.

Eine „empörend falsche Berichterstattung“ kann man den Medien jedoch nicht vorwerfen:

  1. Entgegen Düringers Behauptung, hat, soweit ich sehen kann, kein Medium Lassi als Antisemiten bezeichnet. Die ZIB1 berichtete am Dienstag wahrheitsgemäß, Lassi „sorgt mit antisemitischem Posting für Aufregung“ und „hatte zur antisemitischen Hetzschrift verlinkt“. Die Oberösterreichischen Nachrichten sprachen vom Publizieren eines antisemitischen Pamphlets, der Standard vom Verlinken antisemitischer Inhalte, die APA-Meldung zur Angelegenheit von einem „Link zum antisemitischen Pamphlet“ und Heute, die als erstes über die Sache berichtet hatten, schrieben wahrheitsgemäß „Spitzenkandidat verbreitet Antisemitismus“. Lediglich Puls4 betitelt auf seiner Website den entsprechenden Nachrichtenbeitrag mit „Antisemitischer Spitzenkandidat?“, im Beitrag kam aber auch das nicht vor. Medien haben also faktentreu berichtet. Zumindest wenn man von der kleinen Unkorrektheit absieht, dass die meisten Medien von einer Verlinkung berichteten, das Pamphlet aber in Wirklichkeit als PDF auf der Seite selbst hochgeladen worden war.
  2. Auch der Nachrichtenwert ist gegeben: Wenn die Nummer eins der Bundesliste einer bundesweit zum Nationalrat kandidierenden Liste auf seiner Website einen antisemitischen Text veröffentlicht, ist das wohl berichtenswert.
  3. Entgegen der Darstellung Düringers waren die beiden antifaschistischen Texte nicht im gleichen Kontext veröffentlicht wie der antisemitische, sondern an anderer Stelle der Website. Kein Medium hat also eine Relativierung oder Einordnung des Pamphlets unterschlagen, eine solche gab es nicht.

Für die „massive Medienkrise“ müsste man sich also andere Beispiele suchen.