Das Krone-Weihnachtsmärchen mit der gekündigten Pädagogin

weihnachtsfestIm August veröffentlichte die Kronen Zeitung auszugsweise ein Vernehmungsprotokoll der Wiener Magistratsabteilung 10, aus dem hervorgeht, dass eine Wiener Kindergärtnerin gekündigt worden sei, weil sie Weihnachten erklärt hatte.

Gestern wärmten Heinz-Christian Strache und Manfred Juraczka die Angelegenheit bei der Elefantenrunde auf ORF und Puls4 auf. Doch aus gutem Grund hat sowohl Krone als auch die Politik bislang darauf verzichtet, das gesamte Protokoll zu veröffentlichen. Denn es ergibt ein gänzlich anderes Bild.

Es zirkuliert seit Monaten in Journalistenkreisen – Zeit, es in seiner Gesamtheit öffentlich zu machen (Markierungen nicht von uns, Klick für Großansicht):

protokoll-ma10

Das Protokoll zeichnet das Bild einer Kindergärtnerin, die Kolleginnen zu religiösen und politischen Themen und mit Broschüren der Kaiser-Karl-Gebetsliga zu missionieren versuchte, das praktizierte Konzept gendersensibler Pädagogik oder auch Aktivitäten wie das „Gespensterfest“ nicht mit ihrer Rolle als Christin vereinbaren konnte und sich allgemein unkooperativ verhielt. Aus dem Protokoll geht übrigens nicht hervor, dass sie tatsächlich gekündigt worden wäre. Eine Tatsache, die auch Bürgermeister Häupl gestern in Abrede stellte.

Unter den 15 der Pädagogin vorgeworfenen Punkten findet sich allerdings in der Tat auch der von der „Krone“ veröffentlichte wörtliche Vorwurf, sie habe „Kinder über die Bedeutung des Weihnachtsfestes aufgeklärt“:

zitatxmas

Wenn man jedoch das vierseitige Protokoll kennt, drängt sich als Interpretationsmöglichkeit auf, dass es sich hier lediglich um eine unglückliche Formulierung handeln könnte, wie auch Stadtrat Oxonitsch im Krone-Artikel beteuert. So könnte beispielsweise gemeint sein, dass die Kindergärtnerin muslimische Kinder oder Zeugen Jehovas gezielt über Weihnachten aufklären wollte, also zu missionieren versuchte. Selbstverständlich werden in städtischen Kindergärten Weihnachten, Nikolo, Ostern und andere christliche Feiertage gefeiert, wie auf Wien.at nachzulesen ist und was auch eine kurze Umfrage unter Eltern in meinem Bekanntenkreis bestätigt.

Recherche ruiniert bekanntlich die beste Story und eine unglückliche Formulierung ist eben keine. Dass christliche Feiertage verdrängt würden, schon: Seit Jahren stellt die FPÖ zu jedem Advent die Behauptung auf, dass das Nikolofest aus den Kindergärten verdrängt würde. Und die Krone berichtet jedes Mal brav und wider (durch Recherche leicht zugängliches) besseres Wissen. Hier nur drei Beispiele aus den letzten Jahren:

xmas

Interessant übrigens, dass die Krone die aus dem August stammende Geschichte mit der gekündigten Kindergärtnerin rechtzeitig zur Wien-Wahl am 27. September in der Krone Bunt und am 29. September auf den Leserbriefseiten aufwärmt.

Interessant außerdem, dass die Geschichte von Krone-Redakteur und Ex-Heute-Chefredakteur Richard Schmitt stammt und in ihr ÖVP-Chef Manfred Juraczka zu Wort kommt (der der Medienlogik entsprechend die Quelle des Dokuments sein dürfte). Exakt dieses Muster – Schmitt, Juraczka, fehlende Recherche – hatten wir schon einmal aufgedeckt.

Update:

Die Zeit im Bild 2 hat diesen Artikel aufgegriffen und zu einem Faktencheck gemacht:

Zib2 Faktencheck in Folge des Krone-Kobuks

Sagen Strache und die Kronen Zeitung die Wahrheit, wenn sie behaupten, eine Kindergärtnerin sei gekündigt worden, weil sie Weihnachten erklärt hat?

Die Zeit im Bild 2 hat aus unserem Kobuk-Artikel von gestern einen Faktencheck gemacht:

Posted by Kobuk on Tuesday, October 6, 2015

 

Anmerkung: In der ersten Version dieses Artikels war der Nachname einer Kollegin der betreffenden Pädagogin nicht geschwärzt. Diese Version war wenige Stunden online. Wir haben den Fehler korrigiert und bitten um Verzeihung.

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22 Kommentare

  1. hennebichler
    Am 6. Oktober 2015 um 11:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Interessant

  2. Futtinger
    Am 6. Oktober 2015 um 22:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Egal, Hauptsache Vassilaku und Häupl straucheln.

  3. SkaBert
    Am 6. Oktober 2015 um 23:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Aus diesem Protokoll geht aber auch nicht hervor, dass die Frau nicht gekündigt wurde. Und so nebenbei: Wenn ich mit einer Untergebenen andauernd Probleme lt. Protokoll gehabt hätte, wäre diese schon längst mit Verwarnungen versehen und letztlich gekündigt worden.
    Zudem drängt sich mir auch die Frage auf, ob denn die Möglichkeit des Mobbings 100%ig auszuschließen ist!?
    Und um den Anspruch einer ordentlichen Recherche gerecht zu werden, frage ich mich, wie denn nun die Geschichte ausging?

  4. Jürgen
    Am 7. Oktober 2015 um 07:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wie sind die Medien an das vertrauliche Schriftstück gekommen? (Datenschutz/Klage?) – auch wenn die Namen der beteiligten unkenntlich gemacht wurden, ist nicht auszuschliessen, dass jemand aus dem Umfeld die Personen kennt…und bei einige Vorgaben der MA10 dreht es mir wirklich den Magen um…

  5. ArticM0nk3y
    Am 7. Oktober 2015 um 12:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Schade, dass in unserer aufgeklärten, technisierten Welt des 21. Jahrhunderts mit schier unendlichen, leicht zugänglichen Informationsmöglichkeiten immer noch der Stammtisch poltert und regiert.

    Halbwissen und sogar dreiste Lügen, haben in vielen Köpfen einen höheren Stellenwert, als das eigene Urteilsvermögen und die eigene Intelligenz – sofern diese aus dem richtigen Mund/Medium stammen.

    Ich habe ein Déjà-vu, hoffentlich nur zu wenig Wasser getrunken :-/

  6. Agnes
    Am 7. Oktober 2015 um 13:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Sie wird mit dem Protokoll selbst zur Zeitung gegangen sein, worduch sie selbst das Datenschutzgesetz verletzt hat.
    Anders kann die Zeitung nicht an so ein Dokument rankommen.
    Je nachdem wer die Geschichte erzählt, sie ist immer subjektiv zu verstehen. Fakt ist, dass eine Pädagogin, die bei der Stadt Wien arbeitet, nicht so leicht gekündigt werden kann. Es müssen drei negative Beurteilungen von drei verschiedenen Kindergärten vorliegen, um jemanden zu kündigen. Und es gehört eine Menge dazu, das zu erreichen. Die betroffene Pädagogin kann also an dem ganzen Schlamassel nicht ganz unschuldig sein.

  7. Am 7. Oktober 2015 um 15:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    sehr geehrte damen und herren !

    ich möchte von ihnen wissen , wo sie diese unterlagen her haben ! das original besteht leider nur aus einer seite ! falls sie diese sache nicht aufklären , lege ich die unterlagen vor gericht ,das fällt unter amtsmißbrauch und schweren betrugs !!!

    mfg Chrisitan Becker

  8. Am 7. Oktober 2015 um 16:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Herr Becker, wir haben das Dokument von Journalisten bekommen, die es, wie ich den Tweets des Krone-Redakteurs Richard Schmitt entnehme, von diesem bekommen haben dürften (vermutlich über mehrere Ecken dazwischen). Woher Herr Schmitt das Dokument hat, weiß ich nicht. Da Manfred Juraczek im Krone-Artikel prominent vorkommt, liegt die Vermutung nahe, dass Herr Schmitt das Dokument von ihm hat. Aber wie gesagt, das müssen Sie die Krone fragen.

  9. Michael/Name geä.
    Am 7. Oktober 2015 um 21:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich möchte euch sagen das ich Infos aus erster Hand besitze die sehrwohl davon erzählen wie diese Pädagogin wirklich War ukd was es mit den ganzen Anschuldigungen auf sich hat.gerne könnt ihr mehr erfahren aber nicht hier sondern persönlich .

  10. Am 7. Oktober 2015 um 22:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    aha sie haben das aus erster hand , das protokoll bestand von anfang an aus einer seite , das bringt mich zur annahme , das die anderen seiten erst nachträglich erstellt wurden !!! und jetzt sag ich ihnen das die anderen seiten fälschungen sind ! ich würde sehr vorsichtig sein was sie als nächstes schreiben !

    mfg

  11. Am 7. Oktober 2015 um 23:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    und wenn mir schon jemand eine antwort gibt , wo name geändert dabei steht , frage ich mich warum das so ist . vor was haben sie angst , das man sie dafür belangt???

  12. MC
    Am 8. Oktober 2015 um 02:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Was mich interessiert, sind die Passagen der zweiten Seite, in denen es um den Umgang mit Sexualität geht.
    Was ist damit gemeint? Meint die Dame, dass Kinder im Kindergarten mastubieren?
    Die Aussagen wirken alle sehr verwirrt.

  13. Michael/Name geä.
    Am 8. Oktober 2015 um 08:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Aus welchen Gründen sollte ich angst vor belangen haben?
    Ich stelle ja keine Anschuldigungen oder behaupte von mir aus das besagte Pädagogin gewisse Dinge anders darstellt als in diesem Protokoll steht.
    Sondern gebe legentlich an, was ich von nicht nur einer der betroffenen Pädagoginnen der durchaus mehreren kigas der Ma10 wo die besagte Dame zur Arbeit ging aussagen oder um es anders zu formulieren, im Vertrauen erzählten.
    Ja sie können mir glauben…angst hab ich keine,denn ich weiß sehr wohl was ich schreiben darf und kann und was nicht.

  14. ArticM0nk3y
    Am 8. Oktober 2015 um 09:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @Christian Becker: Es ist schön, wenn in den Kommentarspalten mit rechtlichen Schritten gedroht wird. Halt nein, ich meine unseriös. Auch schön, oder unseriös, egal, wenn der Empörung mit möglichst vielen Ausrufezeichen und einer konsequenten Kleinschreibung nachdruck verliehen wird.

    Können Sie belegen, dass das Original tatsächlich aus nur einer Seite besteht? Können Sie Ihren schweren Vorwurf der Lüge mit Fakten untermauern? Halten Sie die Drohung “ ich würde sehr vorsichtig sein was sie als nächstes schreiben“ für konstruktiv?

    Ein Leser 😉

    P.S.: Die Tatsache, dass im Internet Pseudonyme verwendet werden, hat nichts mit dem verbergen von „etwas“ oder Angst zu tun, dies ist schlicht durch die Historie des Internets entstanden. Christian Becker könnte schließlich auch ein Pseudonym sein? Der einfache Leser kann soetwas nicht verifizieren.

  15. RS
    Am 8. Oktober 2015 um 09:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Guten Tag, ich bemühe mich seit einiger Zeit mir persönlich ein objektives Bild über diese Geschichte zu machen, habe jedoch ein kleines Problem mit dem Protokoll. Sie sprechen hier von einem 4-seitigen Protokoll, hier in den Kommentaren spricht jemand von einem einseitigem Protokoll (eher unwahrscheinlich da die erste Seite ja schon mit den Namen der Anwesenden fast ausgefüllt ist) in der Krone wiederum und auch einigen anderen Quellen (die aber vielleicht von der Krone abgeschrieben haben) ist von einem 6-seitigem Protokoll die Rede. Ich hoffe sie können diese Diskrepanz aufklären und wenn es wirklich 6 Seiten sein sollten auch diese noch veröffentlichen
    MfG

  16. Michael/Name geä.
    Am 8. Oktober 2015 um 09:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @MC
    Das was sie im bezug auf die Sexualität wissen möchten wurde mir so erklärt :
    Manche Kinder ,egal ob im Hort oder Kiga sind von Natur aus etwas neugieriger als andere und so wurde mir erzählt,gibt es eben solche Kinder die sich erkunden und es den Anschein hat als würden sie sich selbst befriedigt. Jedoch möchte ich auch dazu sagen das es nicht gefördert wird sondern ebenso nur geduldet .
    Ja es kommt vor das dies auch Kinder im Kiga machen aber dies wurde auch den betroffenen Eltern mitgeteilt.
    Ps:
    Und ja lieber hr.becker wieder in Info aus erster Hand. ..und nein keine sorge…es ist rechtlich gedeckt was ich hier schreibe…denn laut dstenschutzbehörde ist es nur dann eine Verletzung der rechte des betroffenen wenn Namen genannt werden und Anschuldigungen niedergeschrieben werden .nun,da ich ja niemanden an den Pranger stelle sollten sie sich mal Gedanken darüber machen was eine Drohung für folgen nach sich ziehen könnte.
    Mit bestem Gruß Michael

  17. Markus Volek
    Am 8. Oktober 2015 um 11:37 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja Christian Becker wo liegt das Problem hat die SPÖ Angst vor der Warheit?

  18. Markus Volek
    Am 8. Oktober 2015 um 11:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Der Fall ist ja nur einer aus Tausenden der SPÖ Wien.
    Die Betriebskosten in Wiener Gemeindebauten sind um 26 Prozent höher als in Privatmiete. Das errechneten ATV, „Dossier“ und nzz.at anhand von Betriebskostenabrechnungen aus dem Jahr 2014. 32 Gemeindebauten mit einer Nutzfläche von 662.672 Quadratmetern wurden für den am Sonntagabend veröffentlichten Kostenspiegel analysiert.

    In Wiener Gemeindebauten betrugen die Betriebskosten ohne Lift demnach im Schnitt 2,24 Euro pro Quadratmeter und Monat. Bei privaten Anbietern sind es laut Mietervereinigung nur 1,78 Euro. Damit habe der Wiener Gemeindebau sogar die höchsten Betriebskosten in ganz Österreich.

    Und Häupl hatte natürlich die selbe Reaktion wie in diesen Fall alles Lügen natürlich.

  19. foromat
    Am 8. Oktober 2015 um 19:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kann man die Protokolle nicht in einer Form darstellen, dass der inhalt auch wirklich lesbar ist ? Eventuell mit höherer Auflösung scannen ?

  20. animark
    Am 10. Oktober 2015 um 19:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Aussage, dass die betreffende Kindergartenpädagogin nicht wegen ihrer religiösen Ausrichtung gekündigt wurde ist schlicht falsch!
    Bei der derzeitigen Faktenlage ist es aber auch nicht richtig das gegenteiliges zu behaupten.
    Hier fehlt zur Beurteilung des Falles schlicht eine Unabhängige Quelle.
    Ein unter 20 Jahre unter SPÖ Einfluss stehendes MA 10 ist keine solche Quelle!
    Auch die Aussage der Pädagogin selbst ist nicht allein valid zur Evaluation der Tatsachen!

    Fazit: Sie und der ORF machen sich es hier zu leicht und schlagen sich ganz klar auf eine (politische) Seite!
    Das ist kein unabhängiger investigativer Journalismus.
    Das ist beschämend!

  21. Pitrell
    Am 12. Oktober 2015 um 15:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Was sind das für schräge Fragen? „Haben Sie tatsächlich die Gitarre weggestellt als keiner mitsingen wollte? / Haben Sie eine fehlende Begrüßung moniert?“ Genau so macht man kleine Leute runter. Wer schon mal selber am unteren Ende einer stabilen Hierarchie gearbeitet war, wird möglicherweise die Situation kennen in welche sich dann der kleine Arbeitnehmer versetzt fühlt.

    Im Grund kann jede X beliebige Frage im richtigen Setting einen simplen Sachverhalt zu einer bedeutungsvollen Verrücktheit verklären. Vielleicht hat diese Frau hin und wieder genervt, so wie Menschen das eben tun aber ich sehe nichts was diese Fragerunde (Protokoll) rechtfertigt.

    Ich geh jetzt mehr den zuvor davon aus, dass das Schmierblatt hier korrekt berichtet hat.

  22. M.Müller
    Am 13. Oktober 2015 um 18:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    das interessante steht im protokoll drin. beim masturbieren sollen die kinder gestreichelt ( wo? ) werden, es gibt auch nur eine schminkecke für buben. eltern, bringt eure kinder vor gender-sensiblen pädagogen in sicherheit.

    der inhalt dieses protokolls müsste eigentlich jedem erwachsenen die haare zu berge stehen lassen.
    schon interessant, in welcher offensichtlichen parallelwelt die autoren dieses blogs leben.

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