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„Krone“ verdoppelt Anteil der kriminellen Asylwerber

In einem Artikel vom 10. Jänner titelt die Krone, dass beinahe jeder Zweite der kriminell gewordenen Ausländer ein Asylwerber sei. In der Überschrift scheint es so, als ob die 45,9 Prozent dem Sicherheitsbericht entnommen wurden. Die tatsächlichen Zahlen aus dem Sicherheitsbericht 2016 schreiben aber eine andere Geschichte.


Die Krone gibt als Quelle ein Zitat von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache an:

„Wie Vizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ) mitteilte, seien bereits 45,9 Prozent der in Österreich straffällig gewordenen Ausländer Asylwerber.“

Im Artikel eingebetteten Video (ab Minute 01:05) sagt Strache aber etwas ganz anderes, nämlich:

„Aber was signifikant negativ ist, ist, dass mit 45,9 Prozent Aufklärungsquote so hoch wie nie zuvor Asylwerber letztlich den größten Zuwachs bei fremden Tatverdächtigen auch aufzeigen.“

Den größten Zuwachs unter den ausländischen Tatverdächtigen gab es bei Asylwerbern, das stimmt. Die 49,5 Prozent haben aber weder mit Ausländern noch mit Asylwerbern zu tun, sondern beziehen sich auf die Aufklärungsquote aller Anzeigen im Jahr 2016. So steht es auch im Sicherheitsbericht auf Seite 10.

Den echten Anteil der tatverdächtigen Asylwerber unter den Ausländern herauszufinden, ist eigentlich gar nicht so schwer. Die Zahlen aus dem Sicherheitsbericht 2016 bilden Folgendes ab (Seite 21):

2016 war also nur ungefähr jeder Fünfte (21,1 Prozent) ausländische Tatverdächtige ein Asylwerber  und nicht wie von der Krone behauptet fast jeder Zweite (45,9 Prozent). Die Krone hat den Anteil also verdoppelt.

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9 Kommentar(e)

Wein4tler - Am 22. Januar 2018 um 10:20

Soso….21,5% sind es also. Wie viel Prozent beträgt im Gegenzug der Asylwerber-Anteil an der Gesamtbevölkerung?

Wein4tler - Am 22. Januar 2018 um 10:22

Soso….21,5% sind es also. Wie viel Prozent beträgt im Gegenzug der Asylwerber-Anteil bei ausländischen Tatverdächtigen?

LittleLui - Am 22. Januar 2018 um 10:28

Der Asylwerber-Anteil an der Gesamtbevölkerung ist irrelevant, es geht in der Statistik ja um den Asylwerber-Anteil an allen ausländischen Tatverdächtigen (die Tabelle ist da auch ordentlich irreführend, weil sich die 21,12% ja – im Gegensatz zu allen anderen Prozentzahlen der Tabelle – auf die Grundgesamtheit 105.551, nicht 270.160, beziehen.

LittleLui - Am 22. Januar 2018 um 10:33

Ergänzung: irrelevant für den direkten Vergleich mit den 21,12% im Sinne von „da stimmt die Grundgesamtheit nicht zamm deswegen hilft uns das nicht weiter“, nicht ganz so irrelevant, wenn man mit dem *richtigen* Anteil an Asylwerbern unter allen Tatverdächtigen (8,25%) rechnet.

Alfred Kumanovitsch - Am 22. Januar 2018 um 13:16

@wein4tler

Der Anteil an Asylwerbern bin Ö ist ziemlich schwierig festzustellen (2016 waren es ca. 40.000 neue), wieviele gesamt ist vermutlich unklar.
Tatverdächtige sind imübrigen noch keine Täter.

Courier - Am 22. Januar 2018 um 14:02

Also wenn von ca. 40 000 Asylwerber ca. 22 300 kriminell oder zumindest Tatverdächtig sind, so relativiert sich die Sicht schon sehr! Und der Anteil an der Bevölkerung ist durchaus nicht irrelevant!
Das gleiche beim Ausländeranteil, wobei da Österreicher mit Migrationshintergrund noch gar nicht dabei sind…

schmidt123 - Am 23. Januar 2018 um 11:50

muss man von Boulevard-Blättern was anderes erwarten als schlechte Recherche oder schlicht verlogene Berichterstattung?

goodland - Am 24. Januar 2018 um 15:30

21.5 Prozent der ausländischen Tatverdächtigen, an der Gesamtzahl sind’s 8 Prozent. Die Wein4tler Mathematik greift nicht ganz.

gromit65 - Am 30. Januar 2018 um 11:18

Ableiten lässt sich aus den Zahlen folgende Aussage:
Wenn ein Ausländer mir Böses will, dann muss ich mich zu 4/5 vor denen fürchten die nicht asylsuchend sind, und zu 1/5 vor denen die Asyl suchen.
In der Realität: Halte ich mich in „Angsträumen“ auf (dunkler Gang im Parkhaus) und treffe dabei auf Fremde, so sollte ich mich _deutlich sicherer_ fühlen, wenn es sich hiebei um Asylwerber handelt.

_Relative_ Änderungen sind _absolut_ nicht aussagekräftig:
Wenn sich die absolute Anzahl der Tathandlungen verringert, steigt im selben Maß die relative Änderung. (Bei 100 Taten und 1 Tat mehr oder weniger absolut beträgt die Änderung relativ ±1%, sinkt die Anzahl der Taten auf 1/4 (25) so wirken sich 1 absolute Tat mehr oder weniger mit relativ ±4%bereits (nur in Zahlen natürlich) 4-fach aus. Ärgerlich, dass wer auch immer das wünscht, durch solche Effekte die öffentliche Meinung gut manipulieren kann.